Schlagzeilen

Barcelonaaaaaaaa

tl;dr: Berg, Strand, kranke Busse, Großstadtgeruch, augenrollige Bezahlvorgänge und 30jährigenzuschlag.

Ich schenke euch zu meinem Geburtstag einen Beitrag über meinen Geburtstag vom Vorjahr. Wie nett von mir. Den habe ich nämlich in Barcelona verbracht. Es war mein 30ster und sollte daher etwas specialig werden. Ausgewählte Eindrücke davon gibt es – in alter Schlagzeilenmanier – völlig verspätet.

Berge + Strand + Großstadt

Von Anfang an abgefahren fand ich die Kombo aus Strand und Bergen – und das in einer Großstadt. Wir hatten eine Unterkunft, in der wir sowohl vorn als auch hinten raus eine nette Aussicht hatten (Danke Airbnb). Vorne raus den Strand und die Innenstadt, hinten raus die Berge. Finde ich nach wie vor crazy.

Stadt, Land, Berg
Stadt, Land, Berg

Dazu war unweit von uns auch etwas, das wie eine Art Bunker-Ruine wirkte, aber auf einem Berg 🤔 Von da aus ergab sich noch mal ein sehr schöner Blick auf einen Großteil Barcelonas.

iPhone-Panoramas bei Nacht sind immer die besten Fotos
iPhone-Panoramas bei Nacht sind immer die besten Fotos

Wie sich herausstellen sollte, handelte es sich hierbei auch um einen abendlichen gern genutzten Treffpunkt der Kiddies. Abends war also gut was los.

Skill Level von Bussen und Autos over 9000

Da unsere Unterkunft recht nahe an einer Endhaltestelle für Busse war, haben wir selbige entsprechend oft genutzt, waren aber auch jeweils lang unterwegs, da wir etwas außerhalb nächtigten. Hier ein Eindruck unserer netten Nachbarschaft:

Nette Nachbarschaft
Nette Nachbarschaft

Ich weiß nicht, ob ich das hier schonmal niederschrob, aber ich hatte lange Zeit Probleme herauszufinden, was ich mal beruflich machen wollte. Jedoch stand sehr, sehr früh fest, dass ich kein Busfahrer werde. Unter gar keinen Umständen. Ich war fasziniert, aber gleichzeitig schockiert, wie souverän man mit Fast-Auffahren, Kurven-gerade-so-kriegen und Klar-kann-ich-den-Bus-auf-dieser-zweispurigen-Landstraße-wenden umgehen kann. Das war nichts für mich.

In Barcelona erreichte diese Aversion gänzlich neue Höhen. Die Geschwindigkeiten, die Kurven, die engen Straßen, das ständige Auf und Ab, Beschleunigen und Bremsen. Heidewitzka. Achterbahn ohne Anschnallen. Auf Spanisch.

Damit die Busse nicht unnötig aus ihrem lebensmüden Flow rausgerissen werden, muss man die Hand raushalten, um den Zusteigewunsch an einer Haltestelle zu signalisieren. Als Zeichen, dass man nicht auf einen anderen Bus oder aus Langeweile wartet. Das ergibt an sich Sinn. Aber wenn ein Bus mit 5 Millionen km/h um eine bergaufige Haarnadelkurve fährt, hinter der sich die Haltestelle befindet, an der man wartet, muss man sehr aufmerksam sein, um das kurze Zeitfenster nicht zu verpassen, in dem es die Flosse hochzureißen gilt.

Auch die Parkgewohnheiten in Barcelona sind außergewöhnlich. Dafür muss dann eben der in den Bergen rar gesäte, neben den Häusern und den engen Straßen übrig gebliebene Platz genutzt werden. Und eingeparkt wird natürlich stets mit der Gefahr, dass ein Bus mit 5 Millionen km/h um die Ecke gefeuert kommen kann. Respekt. Und Brofist mit mir selbst, dass ich mich gegen einen Mietwagen entschieden hab 🤜🤛

Treppen everywhere & Just Großstadt Things

Erwähnte ich, wie bergig Barcelona ist? Um die Höhenunterschiede auch ohne fahrbaren Untersatz überwinden zu können, gibt es eine clevere Erfindung namens Treppen. Jede. Menge. Treppen. Verdammt, es gibt sogar Rolltreppen. Mitten in der Stadt! Nicht im Karstadt, draußen!

Rolltreppe
Rolltreppe

Google Maps fühlte sich mit all den Treppen auch nicht wohl. Es gab eine Situation, in der wir von U-Bahn-Haltestelle zu einer Bushaltestelle laufen mussten. Laut Maps waren beide direkt nebeneinander. Dass dazwischen mehrere zu überwinden Treppen lagen, hat Google gekonnt ignoriert und uns damit Fragezeichen in die Gesichter gezaubert.

Und ja, man kann sich auch beim Treppengehen verlaufen. Gibt einfach zu viele davon in dieser Stadt. Ähnlich wie Blaulichter und Hunde. Auffällig viel Polizei unterwegs und auffällig viel Gebelle.

Wie in jeder Großstadt fördert das Wegbewegen vom Zentrum die weniger schönen Seiten zu Tage. Es roch echt oft nach Pisse. Und wo wir gerade beim Thema sind. Auf öffentlichen Klos bin ich in den paar Tagen, die ich dort war, ganzen 4 elektrischen Händetrocknern begegnet. Warum ich das so genau mitgezählt habe? Weil nicht ein einziger davon funktioniert hat. Hashtag Händetrocknerverschwörung.

Flaggen Galore, Krippenspiel Madness, Bauarbeiten

Zu der Zeit, als wir in Barcelona ankamen, flachte gerade eine Protestwelle wegen der katalanischen Unabhängigkeit ab. Deswegen kann ich nicht einschätzen, ob das immer so ist, aber es hingen viele, viele Flaggen an den Häusern. Ein Hamsterpups sind dagegen die WM-Phasen hierzulande. Allerdings auch nicht nur Katalanische, sondern eben auch viele Spanische.

Außerdem scheinen selbstgemachte Krippenspiele zu Weihnachten ein Ding der Barcelonnen zu sein. Während bei uns der durchschnittliche Weihnachtsmarkt hauptsächlich aus Fressbuden besteht, gab es hier reihenweise Stände mit Krippenspielen. Dass sie DIY waren, sah man ihnen an, aber vermutlich ist es genau das, was manche wollen.

Wie auch schon in Rom hatten wir wieder gutes Timing mit unserem Besuch hinsichtlich Bauarbeiten an Sehenswürdigkeiten. Im Park Güell warteten lecker Bauzäune darauf von uns besichtigt zu werden. Es war zugegebenermaßen nicht ganz uninteressant zu sehen, wie die Deckenwölbungen der Etage drunter sich im Boden abzeichneten. Erinnerte an eine Buckelpiste vom Skifahren. Trotzdem war der eigentlich wunderbare Ausblick von der Terrasse dort oben etwas getrübt. Der Bereich, den man begehen konnte, war entsprechend touristisch umkämpft.

Bauzaun
Bauzaun

Die Zukunft des Bezahlens

Zwei besondere Erlebnisse blieben mir beim Bezahlen in Erinnerung. Nachdem wir gleich am ersten Abend im nächstgelegenen Supermarkt unseren Einkauf tätigten, ging es ans Bezahlen. Während ich souverän meine Kreditkarte zog, suchte ich vergebens nach einem passenden Schlitz in der Gerät, das mir der Kassierer reichte. Nach einer gefühlten Ewigkeit erlöste er mich von meinem rätselnden Leid, nahm die Karte, batschte sie kurz auf das Gerät und drückte sie mir wieder in die Hand. Das ist also dieses kontaktlose Zahlen, von dem immer alle reden. Gut zu wissen, dass meine Karte das auch kann. Ich konnte die Augen vom Kassierer rollen hören.

Selbst in einem kleinen Seitenstraßen-Supermarkt in Barcelona ist kontaktloses Bezahlen so selbstverständlich, dass er gar keine Möglichkeit bereit hält, old school mäßig zu zahlen. Bezahlentwicklungsland Deutschland. Danke, Merkel.

Auf der anderen Seite wurden mir auch die Grenzen von Technologien aufgezeigt, die das Einkaufen verbessern sollen. Ich war zum ersten Mal außerhalb von Ikea an so einer Gerätschaft, bei der ich meine Waren selbst abkassiere. Weniger menschliche Interaktion, technische Spielerei, ich bin dabei!

Wir also fleißig den Korb abgestellt und begonnen Obst zu wiegen und Artikel abzuscannen. Während ich genau das übernahm, war meine bessere Hälfte mit Einpacken beschäftigt. Zwischendurch kam es immer wieder zu Unterbrechungen. Ohne Spanischkenntnisse halfen auch die Hinweise auf dem Bildschirm nicht weiter. Es musste immer wieder ein Mitarbeiter kommen, seinen magischen Ausweis scannen und es ging weiter. Wir machten weiter, eine Weile ging es gut, dann wieder nicht, Mitarbeiter kommt, rettet den Tag und das ganze wieder von vorn. Knappe 10 Mal.

Mittlerweile weiß ich, dass die Waren nach dem Scannen nicht sofort eingepackt werden dürfen, sondern auf die linke Seite des Geräts gestellt werden müssen, weil dort eine Kontrollwaage ist. Auch ist es keine gute Idee, seinen Rucksack oder etwas anderes dort rauf zu legen und zwischndrin wieder runter zu nehmen. Das alles ist mir jetzt klar, finde ich aber a) doof und b) wäre es vielleicht die bessere Strategie gewesen, wenn besagter Mitarbeiter mit dem magischen Ausweis uns Kartoffeln das nach dem ersten Mal erklärt hätte.

Diesmal Augenrollen auf beiden Seiten.

Altersdiskriminierung in der Sagrada Família

Während unserer Tour durch die Innenstadt kamen wir ins Grübeln, ob und wann wir uns die Sagrada Família von innen anschauen sollten. Schließlich ist es das charakteristische Bauwerk Barcelonas. Auf der anderen Seite habe ich selten etwas für derartige Gemäuer übrig.

Als ich dann im Internetz nach Karten und Preisen schaute fiel mir auf, dass alle Besucher unter 30 einen 2€ Rabatt bekommen. Gleichzeitig etwas empört ob der bereits in diesem Alter beginnenden Diskriminierung, aber auch durch die potentielle Ersparnis Geiz-getriggert war klar, dass wir noch heute rein mussten. Schließlich sollte ich morgen 30 werden.

Und es war eine sehr gute Idee. In Rom sind wir Fan von Audio Guides geworden und das hat sich auch diesmal wirklich gelohnt. Da ich sehr lesefaul bin (TL;DR or GTFO), aber kein Problem damit habe mir zweistündige Podcasts anzuhören, liegt mir das Audioformat mehr.

Sagrada Família von innen
Sagrada Família von innen

Die Symbolik, die hinter all dem steht, was es dort zu sehen gibt, macht vieles erst interessant. Die Geschichte und auch das unübliche Erscheinungsbild sind selbst für so einen Kunst- und Kulturmuffel wie mich faszinierend. 5 Sterne, Top Kirche, gerne wieder.

Also?

Barcelona war leider sehr kalt. Auch für diese Zeit ungewöhnlich kalt. Wo ist die globale Erwärmung, wenn man sie mal braucht? Dazu muss man aber sagen, dass zu der Zeit in Deutschland gerade der Ekelwinter mit 1 von 2 krassen Schneephasen eintrudelte, von daher eine gut gewählte Alternative. Aber manchmal war die Aussicht halt so:

Regen
Regen

Barcelona als Stadt finde ich faszinierend, einfach weil sie so viel bietet. Grün, Berge, Strand, Großstadt. All of it. Das alles lässt sich aber vermutlich erst bei etwas längerem Aufenthalt und etwas wärmeren Temperaturen besser auskosten. Dann allerdings kommen wiederum auch mehr Menschen hierher, weswegen alles wieder etwas ungemütlicher wird. Tja. Und jetzt weiß ich auch nicht weiter.

Strand
Strand

Nichtsdestotrotz habe ich die Zeit um meinen 30. Geburtstag mit meiner Lieblingsperson in einer schönen Wohnung in einer schönen Stadt verbracht. Das war das Ziel und damit bin ich auch sehr zufrieden.

Was Städtereisen angeht, habe ich jetzt aber trotzdem erstmal genug. Der nächste Ort, über den ihr hier einen Bericht lesen dürft, ist dann wohl – Achtung Spoiler – Neuseeland 😱

Hier noch ein Pinguin-Video aus dem Aquarium, bei dem ich mir das Kichern nicht verkneifen konnte:

9. Dezember 2018