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Felsenkeller Ennoversary

Vor genau einem Jahr, am 18.11.2017, stand ich auf der BĂŒhne im Felsenkeller Leipzig. FĂŒr mich war es der vierte Auftritt mit Hematom und der bisher GrĂ¶ĂŸte. Es gibt sogar ein Video davon, das zugegebenermaßen nicht sonderlich beeindruckend ist. Dennoch war das ein bedeutender Abend, der von vielen Ups & Downs geprĂ€gt war. Um euch eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie ich den Tag erlebt habe, hier eine kleine Auflistung der 👍s und 👎s:

👍 Großer Auftritt

Wie schon erwĂ€hnt war der Auftritt eine große Sache. Über 5 Ecken haben wir einen Slot beim Teenage Warning Festival 2017 bekommen und teilten die BĂŒhne mit Bands wie ZSK und Zaunpfahl. Dazu kommt, dass ich es immer cool finde, wenn ich auf derselben BĂŒhne stehe, wo andere Bands, die ich sehr mag, schon gespielt haben. So traten Stick To Your Guns einen Monat spĂ€ter dort auf. In einem knappen Monat werde ich meine Kindheitshelden As I Lay Dying dort sehen. Das ist schon abgefahren und ich finde es großartig, dass wir die Gelegenheit dazu hatten das zu erleben.

👎 Zeitplan way off

Wie das so ist bei großen Projekten mit vielen involvierten Parteien geht irgendwas schief. In dem Fall sind zum einen Bands zu spĂ€t gekommen, zum anderen wurden scheinbar nicht alle Information korrekt weitergegeben, weswegen es viel Frust auf allen Seiten gab. Jeder ist sauer auf jemand anders, obwohl am Ende niemand so richtig Schuld hat. Kommunikation ist schwer.

Leider sorgte das dafĂŒr, dass wir 5 Minuten unserer sowieso schon knapp bemessenen Spielzeit streichen mussten, die Umbaupausen hektischer wurden und die Verantwortlichen ihren Feierabend immer weiter in die Ferne verschwinden sahen.

Unser Soundcheck sollte eigentlich vor dem Einlass stattfinden. Das konnten wir dann recht schnell vergessen. Zweierlei Unschönheiten ergaben sich daraus. Erstens kamen Leute in die Halle und sahen uns bereits spielen. Ist nicht so richtig professionell, aber zu verkraften.

Wesentlich uncooler war zweitens: ich kam nicht dazu den Leuten, fĂŒr die ich ein GĂ€steliste-BĂ€ndchen hatte, selbiges zu ĂŒberreichen. Ich war ja mit soundchecken beschĂ€ftigt. Dadurch mussten selbige unerwartet den vollen Ticketpreis bezahlen. Ist am Ende auch ok – streng genommen haben wir als Band dafĂŒr gesorgt, dass mehr Tickets verkauft wurden – aber der ganze Prozess rundrum ist nervenaufreibend. Ich auf der BĂŒhne, zwischen den StĂŒhlen sitzend, UnverstĂ€ndnis auf der Seite vor dem Eingang, warum ich mich nicht melde etc. Kleiner DĂ€mpfer so schön kurz vor’m Auftritt.

👍 GesprĂ€ch mit Zaunpfahl-Dudes

Im Backstage-Bereich hatte ich vor dem Auftritt noch die Möglichkeit mit ein paar Jungs zu sprechen. Im Laufe des GesprÀchs stellte sich heraus, dass ich gerade mit Zaunpfahl spreche. Das war insofern abgefahren, als dass ich deren Musik zum Ende meiner Schulzeit tatsÀchlich ziemlich gefeiert habe.

Ich kann gegenĂŒber Menschen, die ich neu kennenlerne, sehr seltsam sein, das weiß ich. Auf der anderen Seite werde ich aber sobald ich etwas finde, das mich interessiert, sehr, sehr neugierig. Das sorgt dafĂŒr, dass ich wesentlich lieber Dinge ĂŒber andere Menschen erfahre, als ĂŒber mich zu erzĂ€hlen. Das widerspricht sich ein bisschen mit der Existenz dieses Blogs, aber ich schweife ab.

Bei Musikern ist es natĂŒrlich nicht allzu schwer fĂŒr mich, etwas zu finden, worauf ich mich stĂŒrzen kann. Ich hatte sicher auch einen kleinen Bonuspunkt als geborener Rostocker, wo die ganze Band doch in der Umgebung wohnt. War ein sehr erhellendes GesprĂ€ch.

👎 Banner aufhĂ€ngen nicht erlaubt

Als Band hatten wir uns im Vorfeld ein recht großes Banner geleistet, auch im Hinblick auf diese Veranstaltung. Nun stellte sich aber raus, dass das AufhĂ€ngen von Bannern zu dem Zeitpunkt nicht erlaubt war. Aus BrandschutzgrĂŒnden.

Mich beschleicht bis heute das seichte GefĂŒhl, dass wir da ein bissl verarscht wurden. Ich kann mich aber auch nicht mehr dran erinnern, ob bei denen anderen Bands irgendwas hing oder nicht. Von daher im Zweifelsfall fĂŒr die Angeklagten. War natĂŒrlich trotzdem ein Downer.

Es sollte tatsĂ€chlich noch 10 weitere Monate dauern, eh wir das teuer erworbene Banner endlich zum Einsatz bringen konnten. DafĂŒr aber umso stolzer.

👍 Banner am Merch-Tisch

GlĂŒcklicherweise hatten wir einen eigenen Tisch fĂŒr Bandshirts & Co zur VerfĂŒgung. Wir nutzen die FlĂ€che im Hintergrund und ein bisschen KreativitĂ€t um den Banner – etwas schrĂ€g aber who cares weil IRGENDWAS MUSSTEN WIR DOCH MIT DIESEM BANNER MACHEN – dort aufzuhĂ€ngen. Immerhin.

Schade, dass ich dazu gerade keine Fotos finden kann 😭

👎 Blut nach Banner-AufhĂ€ngen

NatĂŒrlich kam ich nicht drumrum meine handwerkliche Unbegabtheit unter Beweis zu stellen. Beim Befestigen des Banners flog mir ein Haken gleich 2x um die Ohren. Beim ersten Mal hat es das Gesicht unseres Gitarristen knapp verfehlt. War lustig. Beim zweiten Mal habe ich erst gelernt, was das bedeutet hĂ€tte. Mein Finger wurde in Mitleidenschaft gezogen und fing an ordentlich zu bluten. Was das aber in einem menschlichen Gesicht angerichtet hĂ€tte, ohoh.

VerstÀndlicherweise ist es genau das, was man als Gitarrist vor einem Auftritt braucht: einen blutigen Finger. Wenn es wenigstens der Pinky gewesen wÀre, aber nein, schön den Daumen aufgerissen.

👍 Pflaster to the rescue

Man sollte nie unterschĂ€tzen, was Frauen alles mit sich rumtragen. Was wie die Rampe fĂŒr einen billigen Mario Bart Witz anmutet, war fĂŒr mich die Rettung. Dank unserer Merch-MĂ€dels, die uns auf fast jedem Konzert unterstĂŒtzen, war ein Pflaster fĂŒr die blutige Pfote des Trottels nĂ€mlich schnell gefunden. Problem erfolgreich abgewehrt đŸ’Ș Oder?

👎 Gitarrespielen mit Pflaster

Was ich nicht bedacht habe sind die verÀnderten OberflÀcheneigenschaften eines Pflasters im Vergleich zum menschlichen Daumen. Damit spielen ist zwar möglich, aber wie Popeln mit Handschuhen: die Feinmotorik geht flöten. Nicht unbedingt das, was man vor so einem wichtigen Gig gebrauchen kann.

👍 Ein Hoch auf die Blutgerinnung

Wenn Mama frĂŒher gesagt hat, dass Wunden am besten an der Luft heilen, meinte sie damit vermutlich die verbesserte Blutgerinnung. Selbige kam mir an dem Abend zu Gute, so dass ich am Ende tatsĂ€chlich ohne Pflaster die Songs runterspielen konnte. Phew.

👎 Sound

Auf der BĂŒhne hört man sich selbst ĂŒber Monitore, also zusĂ€tzliche Lautsprecher, die einem nach Möglichkeit den Sound genau so ĂŒbertragen, wie man ihn braucht. Wie das, was man da als Band fabriziert, fĂŒr die Ohren der Zuschauer klingt, kriegt man nicht wirklich mit.

Ich war selbst vorher nie im Felsenkeller, habe deswegen auch keinen Grund gehabt, etwas Schlechtes anzunehmen. Allerdings wurde mir nach dem Auftritt berichtet, dass mitunter nicht mal die Ansagen zwischen den Songs zu verstehen waren. Bitter.

Mittlerweile habe ich den Eindruck bekommen, dass es anerkanntes Allgemeinwissen ist, dass der Felsenkeller soundtechnisch keine gute Location fĂŒr Konzerte dieser Art ist. Ich habe mir aber ebenso erzĂ€hlen lassen, dass dort akustisch demnĂ€chst ein bisschen optimiert werden soll. Ich bleibe skeptisch, aber bin gespannt.

👍 Publikumsreaktion

Als recht unbekannte Band so einen Festivalabend bei so schlechtem Sound zu eröffnen ist nicht die dankbarste Aufgabe. Umso erstaunter war ich, dass doch recht viele Zuhörer so frĂŒh den Weg Richtung BĂŒhne antraten und uns lauschten. Ich bin immer sehr schlecht im SchĂ€tzen von Menschenmengen, deswegen unterlasse ich das an dieser Stelle. Kilometergroße Circle-Pits blieben zwar aus, aber hey, vielleicht haben wir an diesem Abend das ein oder andere anerkennende gar-nicht-verkehrt-Zunicken bekommen.

👎 Leeres Catering

Wir spielten so ab 19:30 Uhr, wenn ich mich recht erinnere. Perfekte Abendbrotszeit. Dementsprechend war das leckere Catering leergefuttert als wir wieder von der BĂŒhne kamen. Da willste einmal ein Rockstar-Catering genießen und dann sowas. Der Struggle war unglaublich real an diesem Abend.

👍 Kostenlose GetrĂ€nke

Als ich dem Koch gegenĂŒber mein endloses Leid zum Ausdruck brachte, teilte mir dieser mit, dass wir an der Bar kostenlos GetrĂ€nke bekĂ€men. Also doch noch Rockstar-Feeling. Ihr glaubt nicht wieviele Freunde man sich mit dem Verteilen von Freibier machen kann.

👎 …NICHT

Leider stellte sich nach kurzer Zeit raus, dass das mit den FreigetrĂ€nken fĂŒr die Bands eigentlich nicht angedacht war, weswegen ich wieder ohne Weiteres in den Schmollmodus ĂŒbergehen konnte.

👍 Man schenkt mir Mate

Also wieder zurĂŒck zum Koch, der sich wie die Barkeeper in schlechten US-Serien voller Empathie beim Trocknen des abgewaschenes Geschirrs die Problematik schildern ließ. Einmal mehr zeigte sich, dass sich beschweren die höchste der deutschen Tugenden ist, denn der Koch ĂŒberließ mir prompt seine Ginger-Mate. Heiratsmaterial!

👎 Man klaut mir Gitarre

Der Abend war im Folgenden noch sehr lustig. Bis zu dem Zeitpunkt als ich backstage kurz ein paar Klamotten ablegen wollte, um den Punkern anschließend zu zeigen, wie man anstĂ€ndig mosht. An dem Ort, wo ich sie eigentlich abgestellt hatte, konnte ich meine Gitarre nicht mehr finden đŸ˜±

Wir hatten keinen dedizierten Backstage-Raum nur fĂŒr uns. Unser Equipment war grĂ¶ĂŸtenteils hinter der BĂŒhne abgestellt. Der Zugang dorthin war nicht gesichert wie Fort Knox, aber dennoch wollte ich eine ganze Zeit lang nicht wahrhaben wollen, dass jemand dort unbemerkt Instrumente mitgehen lĂ€sst.

Die Jungs von Swiss und die Andern (ja, die Band heißt so) und ZSK mĂŒssen ziemlich genervt von meinen investigativen Fragen diesbezĂŒglich gewesen sein. Aber hey, ich kleiner Popel wollte nur ein bisschen Gitarre auf einer großen BĂŒhne spielen und jetzt war das gute StĂŒck unauffindbar. Ich hatte gehofft einer von deren Helferlein hĂ€tte die Gitarre nur irgendwo anders hingerĂ€umt, da sie im Weg stand oĂ€. Nada.

Die Veranstalter waren sehr einfĂŒhlsam und versuchten bis zum Schluss mir zu helfen. Vertrösteten mich damit, dass die sicher einer der bereits abgereisten Bands aus Versehen mitgenommen hĂ€tte. Mir blieb dann nur bis kurz vor 2 hinter der BĂŒhne rumzulungern und mir einzugestehen, dass ich jetzt nicht mehr machen konnte außer abwarten, ob sich die Tage jemand meldet. Ist eine sehr traurige Fahrt nach Hause gewesen.

👍 Gitarre fand sich wieder

Die Veranstalter sollten Recht behalten. Eine der Bands hatte die Gitarre fĂ€lschlicherweise eingepackt, weil sie wohl bei deren Zeug mit stand. Zwar hatte ich versucht die Band zu kontaktieren, aber der Teil, dessen Telefonnummer ich bekam, lag wĂ€hrend der Abreise schlummernd auf der RĂŒckbank des Vans.

Als ich am nĂ€chsten morgen die Facebook-Nachricht “Vermisst einer von euch seine Gitarre?” las, fiel mir ein gigantisches StĂŒck Stein vom Herzen. Besagte Band – achtet darauf wie ich bewusst drauf verzichte den Namen zu nennen – hatte glĂŒcklicherweise eine Woche spĂ€ter einen Auftritt hier in der NĂ€he, weswegen der Austausch – vor allem nach all dem emotionalen Chaos – kein großes Problem darstellte.

Heidewitzka. Happy Anniversary!

18. November 2018