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Fahrlässiger Fotoverlust

tl;dr: Tut mir, euch und dem Rest der Welt den Gefallen und nutzt iCloud oder Google Fotos. Digitale Fotos zu verlieren ist sooooo 2005.

Es war einmal zu Schulzeiten, als ich Teil einer miesen Kellerpunkband war. Wir waren gerade dabei ein paar Songs aufzunehmen und taten das mit den günstigsten uns zur Verfügung stehenden Mitteln auf meinem Rechner. Während des Aufnahmeprozesses, der sich über mehrere Wochenenden zog, musste der Rechner – ich weiß nicht mehr genau warum – zur Reparatur. Es hieß, dass vermutlich die Systemfestplatte ausgetauscht wird, die Datenfestplatte würde aber unberührt bleiben. Sure thing. Weil ich dem Frieden dennoch nicht so ganz traute, habe ich meiner Paranoia zumindest in Teilen nachgegeben und ein Backup der Projekte mit unseren Bandaufnahmen auf DVDs1 gesichert.

Ich würde die Geschichte nicht erzählen, wenn es nicht anders gekommen wäre. Der für die Reparatur verantwortliche Peilo hat zwar durchaus nur eine Festplatte gelöscht, allerdings die Falsche. Bumm. Alle meine Daten mit einem Schlag2 weg.

Vermeidbarer Daten-GAU

Nach der ersten Panik erfolgte die Bestandsaufnahme: was genau ist jetzt alles weg? Die Aufnahmen hatte ich glücklicherweise in einem Anfall von Paranoia gesichert, alles andere nicht. Oder doch? 🤔 Hier und da lagen noch ein paar CDs rum mit Sicherungen der mit Hilfe von Kazaa & Co über Jahre aufgebauten MP3-Sammlung. Auch die meisten Fotos und Emails – ja, es gab eine Welt vor IMAP – waren safe. Ich war also erstmal guter Dinge und hab alles wiederhergestellt. Es dauerte einige Tage bis mir auffiel, was die Trotteligkeit vom Reparaturmenschen nicht überlebt hat.

Dadurch, dass ich jetzt sowas wie Aufnahmequipment daheim, einen Stundenplan mit teilweise 4 Freistunden und Freunde mit Führerschein hatte, sind wir manchmal zum Zeittotschlagen zu mir nach Haus gefahren um irgendeinen Stuss aufzunehmen. Darunter auch sagenhafte Cover von Avril Lavignes Complicated und ein Mega Freestyle auf den Beat von Xzibits X. Diese beiden Wunderwerke menschlicher Kunst und ein paar weitere Goldstücke waren für immer verschwunden.

Es gab auch schon zu diesen Zeiten – also ca. 2005 – diese ominösen Wunderprogramme, die mithilfe von schwarzer Magie gelöschte Daten wiederherstellen können sollten. Auch das half in meinem Fall nicht.

Warum erzähle ich das? Ich bin gebrandmarkt was Datenverlust angeht. Ich habe dieses traumatische – ja, traumatische!!! – Erlebnis gehabt und bin seitdem etwas vorsichtiger, was potentiellen Datenverlust angeht. Was wichtig ist um die Entstehung dieses Textes zu verstehen.

Y U No Use Datensicherung? 🙄

Das ein ums andere Mal konnte ich mir in der Vergangenheit einen zynischen Kommentar nicht verkneifen, wenn wieder einer dieser “Mein Smartphone wurde geklaut, bitte lieber Dieb melde dich bei mir, weil da sind wichtige Fotos drauf”-Beiträge in meine Timeline gespült wurde. Warum? Es ist heutzutage so, so einfach sich dagegen abzusichern.

Was ist die für einen selbst wichtigste Funktion eines Smartphones? Ich würde vermuten bei den meisten wäre die Antwort die Möglichkeit über WhatsApp, Telegram und den Messenger der Woche mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben sowie Fotos. Fotos schießen, Fotos austauschen, Fotos angucken. Nicht weil jedes davon auf eine Ausstellung gehört, sondern weil Fotos Emotionen und Erinnerungen triggern.

In der vergangenen Woche ereigneten sich in meinem näheren Umfeld gleich 2 Vorfälle, bei denen Fotos unwiderruflich verloren gingen. Statt aber einmal mehr die Handfläche auf die Stirn zu klatschen, nutze ich die Gelegenheit um meinem Auftrag als “du hast doch was mit Informatik studiert, ich hab da nämlich ein Problem”-Ansprechpartner wahrzunehmen und Aufklärung zum Thema zu leisten. Fotos so zu sichern, dass sie bei einem Diebstahl, Verlust oder ins Klo fallen des Smartphones nicht verloren gehen, ist einfacher und günstiger denn je.

Wenn sich all deine Erinnerungen in Fotoform nur auf einem Gerät befinden, sollten deine Alarmglocken schlagen.

Lerne aus meinen Fehlern. Ich zeig auch wie. Keine Sorge, ich bin nicht Chip.de und schreibe auch nicht mehr für iEnno (R.I.P.). Wer eine ausführliche Abhandlung über die besten Backup-Strategien lesen möchte, betätige seine Suchmaschine oder frage mich persönlich. In diesem Text will ich nur einen möglichst schnellen Weg aufzeigen Fotos zu sichern. Sonst nichts.

Die Cloud ist deine Freundin

Generell gilt: Backups funktionieren am besten, wenn man sie einmal einrichtet und sich nie wieder drum kümmert. Das funktioniert in der Regel ganz gut mit der Synchronisation über Cloud-Dienste. Dabei werden Fotos dank der Magie des Internets von deinem Smartphone automatisch auf einen dafür geeigneten Rechner von Apple, Google & Co kopiert. Ist gleich: Cloud.

Vorteil Nummer 1: Hardware-Unabhängigkeit. Sollte dein Smartphone schwimmen gehen, deine Festplatte abrauchen oder deine Bude abbrennen, sitzen deine Fotos gemütlich irgendwo im Internet, bereit zu dir zurückzukehren, sobald du ein neues Smartphone gekauft hast.

Vorteil Nummer 2: Fotos sind geräteübergreifend verfügbar. Man schießt ein Foto am Smartphone und ohne eigenes Zutun taucht das gute Stück nach kurzer Zeit am Tablet, Laptop, etc. auf.

Nachteil: Du gibst die Datenhoheit über deine Fotos in die Hände eines externen Dienstleisters. In den meisten Fällen sollten besagte Dienstleister kein Interesse daran haben, mit den Fotos etwas anderes zu machen als sie für dich zu speichern und auf deine Bitte hin wieder auszuliefern. Aber man weiß ja nie, vor allem bei US-Diensten. Sei dir aber bewusst, dass Backups ohne diese Dienste zwar durchaus möglich, in der Regel aber komplizierter sind.

Smartphone: iCloud und Google Photos

Für iPhones und andere Apple-Geräte kann ich uneingeschränkt iCloud empfehlen. Es lassen sich dabei nicht nur Fotos sichern, sondern auch Kontakte, Kalender, Nachrichten und mehr. Auch das Backup des kompletten Geräts und die “Mein iPhone suchen”-Funktion sollte aktiviert werden. Ersteres macht die Wiederherstellung eines Gerätes beim Neukauf sehr einfach, letzteres stellt Diebe vor eine größere Herausforderung.3

Für Android-Geräte bietet sich Googles eigener Fotodienst an, der passenderweise mit Google Fotos betitelt ist. Die Einrichtung ist auch hier recht easy. Beachten sollte man lediglich, dass die Fotos und Videos in Originalauflösung gespeichert werden.

Das Problem mit dem Speicherplatz

Beide Dienste sind prinzipiell kostenlos, es sei denn du überschreitest eine bestimmte Speichergrenze. Bei iCloud sind es (lächerliche) 5GB, bei Google Fotos 15GB.

Zuerst solltest du dich fragen, welche Fotos und Videos du wirklich brauchst. Nur weil du am Abend vorher 100 Fotos geschossen hast, musst du nicht alle behalten. Such dir von den 5 ähnlichen Motiven das aus, was dir am meisten gefällt und lösch den Rest. Wer hat Lust sich durch eine Sammlung zu wühlen – egal ob zum suchen, in Erinnerung schwelgen oder zeigen – bei der jedes Foto in 17-facher Ausführung vorliegt?

Ansonsten lässt sich der Speicher für 1 bis 2€ im Monat4 aufstocken, was kein Hindernis sein sollte. Bei beiden Diensten kann man diesen Speicherplatz sogar innerhalb der Familie teilen.

Wenn du genug Speicherplatz in der Cloud, allerdings zu wenig auf deinem Gerät hast, helfen dir die Dienste auch weiter. Bei iCloud kannst du eine Option namens “Speicher optimieren” aktivieren, bei Google Fotos nennt sich das Feature “Speicherplatz freigeben”. Dabei werden die Fotos in geringerer Auflösung (iCloud) bzw. gar nicht mehr (Google Fotos) auf dem Gerät gespeichert. Die voll aufgelösten Originale bleiben weiterhin in der Cloud und können – Internetverbindung vorausgesetzt – auch jederzeit auf dem Smartphone abgerufen werden.

Laptops & Co: Google Drive und Dropbox

Das Prinzip der Synchronisation über die Cloud lässt sich auch am Rechner nutzen. Ich nutze Google Drive und Dropbox.

Nach der Installation gibt es einen Ordner, in den man Fotos schieben kann, die man in der Cloud sichern möchte. Möchte man Dateien und Ordner sichern, die bereits woanders auf der Festplatte liegen, lässt sich auch das in den Einstellungen bewältigen.

Für externe Festplatten gilt: Offsite Backups anlegen

Vielleicht hast du ein paar Daten bereits auf einer externen Festplatte gesichert. Sehr vorbildlich 👍 Festplatten gehen jedoch kaputt. Das ist keine Frage des ob, sondern des wann. Mir ist das glücklicherweise noch nie passiert, ein Kumpel aus jüngeren Jahren hat aber durch das Abrauchen seiner Festplatte damals™ ein paar selbst produzierte Songs verloren.

Sei nicht wie mein Kumpel! Leg ein Backup von deinen externen Platten an. Besser noch: das Backup sollte an einem anderen Ort liegen als die Platte selbst. Die coolen Kids nennen das “Offsite Backup”.

Warum? Falls es in deinem Haus brennt, Wasser durch die Decke kommt oder eingebrochen wird, verlierst du die Daten von deinem Laptop und deiner externen Platte auf einmal. Dem kann man vorbeugen durch ein Offsite Backup.

Es gibt dafür Programme, die eine externe Festplatte automatisch in die Cloud (hello again 👋) synchronisieren, sobald sie verbunden ist, z.B. Backblaze. Mit mehr manueller Arbeit verbunden, allerdings auch kostengünstiger ist das regelmäßige Synchronisieren mit einer weiteren externen Festplatte, die man – am besten mit einem Passwort gesichert – auf Arbeit oder bei Freunden lässt.

Bei Fragen: fragen!

Damit solltest du über ein gesundes Maß an Datensicherheit verfügen was deine Fotos angeht. Mir ist wichtig, dass dir klar wird: das Sichern deiner Fotos ist viel zu einfach und auch zu wichtig um es nicht zu tun.

Solltest du dennoch irgendwelche Fragen haben: ich bin hier.

HDGDL
Dein freundlicher IT-Support aus dem Leipziger Westen


  1. externe Festplatten und USB-Sticks waren zu teuer, zu klein und einfach noch kein so richtiges Ding damals™

  2. Ich lese das Wort, kichere in mich hinein und mir fällt auf: ich kann keine Namenswitze mehr machen 😭 Der Ganze Titel dieses Blogs ergibt keinen Sinn mehr. Und das Impressum muss ich auch noch anpassen. Hiiiiilfeeeee.

  3. Mir hat das System im vergangenen Sommer gute Dienste geleistet, als ich mein iPhone auf einem Konzert verlor. Die ganze Geschichte erzähle ich aber an anderer Stelle mal ausführlicher.

  4. iCloud-Preise (unter “Euro”), Google-Preise

7. Oktober 2018