Schlagzeilen

Island, Teil 1: eine Mutprobe namens Mietwagenübergabe und die Generation Selfie in der Blauen Lagune

tl;dr: Unnötig viele Gedanken und Sorgen – as usual – und zu wenig Ahnung davon, wie man im Jahr 2015 Urlaubsfotos schießt.

Im Gegensatz zu meinem letzten Flug vor 2 Jahren gab es diesmal keine plötzlich dummen Bewegungen, die zu folterähnlichen Rückenschmerzen führten. Allein das bereitete mir massive Freude und war schon mal ein solider Start. Allerdings war ich doch recht aufgeregt. Hab ich alles eingepackt? Auch nicht zu viel eingepackt? Alle Unterlagen mit? Alles, was ausgedruckt werden sollte, ausgedruckt?

Was, wenn der Rucksack zu groß für’s Handgepäck ist? Beim Gewicht war ich mir sicher, dass das alles im Rahmen ist. Schließlich hatten wir – d.h. meine Freundin und ich – uns dazu am Tag vorher extra noch die Waage unserer Freunde ausgeliehen. Aber bei den Maßen meines Rucksacks, der ziemlich wohlwollend den Bereich des Erlaubten ausnutzte, kann man je nach Tagesform mit “Passt schon, zwinker zwinker” oder “Eindeutig drüber, GTFO!” rechnen.

Und was ist, wenn die Fluggesellschaft – WOW Air, fliegt nur von und nach Island – wirklich so schlimm ist, wie in diesem Internetz nachzulesen ist? “Unzuverlässig”, “unfreundlich” und im Fall der Fälle ganz viel “da kann ich nichts machen” hab ich gelesen. Ja sogar, dass ein Flug kurzfristig einen anderen Startflughafen zugewiesen bekam, whaaaaaat? Schon klar, im Regelfall motivieren nur die negativen Erfahrungen zu einem Review. Aber ein wenig Zweifel bleiben doch hängen.

Ok… und wo ist jetzt Sixt?

Wie fast immer stellten sich alle Sorgen als unbegründet heraus. Die Bahnen fuhren pünktlich, es gab keine Probleme mit dem Gepäck und ob ich von dem ganzen ausgedruckten Papierwulst überhaupt irgendetwas benötigt hätte, kann ich heute nicht mit Gewissheit sagen. Wäre vermutlich auch ohne gegangen, aber die zahlreichen, fettgedruckten, in verschiedensten Warnfarben gestalteten “Dieses Dokument unbedingt ausdrucken”-Hinweise verunsicherten mich genug, um über meinen Digital-Native-Schatten zu springen und den Kram halt auszudrucken – wie im Mittelalter.

Nach dem mit 3,5h doch recht langen Flug wich die Verunsicherung ob möglicher unerwarteter Ereignisse vor dem Flug zugunsten neuer Ängste bezüglich des Mietwagens. Der war bereits gebucht und bezahlt, musste also eigentlich nur noch abgeholt werden. Es gab Schalter einiger Firmen direkt am Flughafen, aber keiner davon konnte mit einem Sixt-Schriftzug aufwarten. Also mal geschaut, was die Maps-App auf diesem kleinen Wundergerät namens Smartphone sagte. Es gibt eine Sixt-Station in der Nähe, ja. Aber wo? Und wie kommen wir dahin?

Es stellte sich heraus, dass auf besagtem ausgedrucktem Papierwulst etwas von kostenlosem Transfer vom Flughafen zur Sixt-Station stand. Daraufhin hab ich mir mal all die Leute angesehen, die mit Namensschildern vor dem Ausgang des Flughafens warteten. Bisher kannte ich sowas zwar nur aus Hugh-Grant-Filmen, aber vielleicht fand sich ja auf einem der Schilder mein Name wieder. Mit ziemlicher Sicherheit hätte ich da erst mal ein Foto von gemacht. Ich, voll wichtig, am Flughafen in Island. Leider war dem nicht so, aber immerhin habe ich zwei nette Menschen gefunden, die nicht nur mit einem Sixt-Schild ausgestattet waren, sondern auch mit der Fähigkeit, mein untertrainiertes Englisch zu verstehen.

Die beiden sind wohl den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigt, als Leute vom Flughafen zur Sixt-Station zu fahren und umgekehrt. Nett. Also Koffer ins Shuttle und ab dafür. Im Shuttle selbst fiel übrigens kein einziges Wort. Ich war nach der sonderbaren Präsentation meiner Englisch-Skillz gerade eben nicht scharf darauf, weiteren Smalltalk zu betreiben. Dem Fahrer ging es scheinbar ähnlich.

Unerwartete Verachtung bei der Mietwagenübergabe

Wie ich feststellen musste, hasse ich Mietwagen ausleihen. Ich mag es kein Auto zu haben. Keine Kosten für Sprit und Versicherung. Und Mobilität ist selten ein Problem, fast alles lässt sich via Fahrrad bewältigen. Und Radfahren gehört als junger Leipziger zum guten Ton. Dass mir aber beim Auto abholen nicht nur der Schlüssel übergeben sondern auch verdeutlicht wird, gegen welche Schäden ich alles nicht versichert bin – darauf war ich als naive Mietwagenjungfrau nicht so recht vorbereitet.

Dazu muss man vermutlich wissen, dass ich eine sehr geringe Meinung zu Versicherungen in jeglicher Form habe und versuche dieser auch konsequent Taten folgen zu lassen. Grund? Versicherungen in a nutshell:

  1. Menschen Angst vor mehr oder weniger wahrscheinlichen Ereignissen machen.
  2. Hoffen, dass Versicherten das befürchtete Ereignis nicht widerfährt, weil das Geld kosten würde.
  3. Falls es doch eintreten sollte: abstreiten, dass es sich um einen relevanten Versicherungsfall handelt.
  4. Falls ein Versicherungsfall nachgewiesen wird: vom Versicherten anschließend einen erhöhten Satz verlangen oder aber – bei mehrmaligem Auftreten – völlig von der Versicherung ausschließen.

Ich führe das an dieser Stelle mal nicht weiter aus, da ich nur ein Gefühl davon vermitteln will, mit welcher Art von tiefsitzender Verachtung ich dem Versicherungsgewerbe begegne.

Dementsprechend hab ich mir geduldig die Auflistung potentieller Katastrophen durch den Sixt-Menschen angehört und auf die Nachfrage, ob ich nicht doch noch gegen einen geringen Aufpreis meine Selbstbeteiligung verringern oder mich gegen Steinschläge1 versichern möchte, mit einem knieschlackerndem Nein geantwortet. Sein Ziel mir Angst zu machen, hat er zwar mit Bravur erreicht, aber aufgrund oben beschriebener Einstellung konnte ich gar nicht anders als konsequent abzulehnen. Credibility und so. Dennoch fuhr ich die ersten 30 Minuten im mit nicht ganz 10.000km belasteten Chevrolet Spark besonders aufmerksam. So sieht der kleine Blaue übrigens aus:

Unser kleiner Sparky

Blaue Lagune

Unsere erste Fahrt führte uns direkt zu einem der Orte, die man als Touri in Island mitnehmen sollte: die Blaue Lagune a.k.a. Blue Lagoon a.k.a. Bláa lónið. Wenn es nach National Geographic geht, eines der 25 Weltwunder. Es handelt sich dabei um ein von Menschen gebautes Thermalbad, das sein Wasser jedoch aus einer natürlichen Geothermalquelle speist. Das Wasser hat ungefähr Körpertemperatur und eine milchig-hellblaue Färbung.

Vogelperspektive der Blauen Lagune (stammt von der Webseite)

Nachdem wir uns ein wenig aklimatisiert hatten, sahen wir dort ziemlich viele Leute, denen irgendein weißes Zeugs im Gesicht klebte und wollten das natürlich auch haben. An einigen Stellen konnte der interessierte Besucher sich etwas davon abstreifen und an den Körper schmieren. Es handelt sich dabei um irgendeine mineralsalzmäßige Masse, die dem Wasser seine Farbe gibt und suuuuuper gut für die Haut sein soll. Tatsächlich wird das Zeug sogar als Beauty-Produkt in eigenen Blue-Lagoon-Läden (ja, die gibt es wirklich) verscherbelt. Naja, wir haben uns davon etwas ins Gesicht geschmiert, darüber gelacht, wie dumm das aussieht, und uns später geärgert, wie zäh das Zeug beim Entfernen ist.

Generell war es schon eine ziemlich nette Erfahrung dort und vielleicht auch ein kleines bisschen magisch. Der Kontrast zwischen Nieselwetter bei so 12 Grad und dem 3x so heißen Badewasser trug sicherlich seinen Teil dazu bei. Denjenigen, denen das Wasser nicht warm genug ist, stehen übrigens ein Dampfbad und mehrere Saunen zur Verfügung. Und wer Kleingeld übrig hat, kann sich in einem abgegrenzten Bereich direkt im Wasser Massagen und ähnliches verpassen lassen. Fetzt schon.

Auch wenn das Bild ein bisschen von den umliegenden Kränen getrübt wird, die einem recht schnell die Illusion raubten, das Ganze wäre natürlich entstanden. Die Kräne waren da, weil ein Hotel für weiteren Wellness-Kram angebaut wird. Scheint ziemlich gut zu laufen. Bei Eintrittspreisen von mindestens 35€ pro Person kombiniert mit der allgemeinen Must-See-Reputation aber auch kein Hexenwerk.

Fun Fact: man wird beim Betreten darauf hingewiesen, Schmuck abzunehmen, weil dieser durch das Wasser sonst ziemlich schnell schwarz wird. Meine Freundin kam dem zwar nach, ihre Kette lief im Laufe des Urlaubs aber trotzdem schwarz an. Vermutlich durch das isländische Wasser, das übrigens immer mal wieder etwas schwefelig, d.h. nach faulem Ei riecht. Das ist nicht besonders angenehm, aber man gewöhnt sich dran. Bis man Tee oder Eier mit diesem Wasser zubereitet. Nicht so lecker.

Akuter Selfie-Stick-Overload

Anfang Juli sah ich zum ersten Mal einen Selfie-Stick in freier Wildbahn. Zusätzlich kenne ich genau einen Menschen, der so ein Ding sein Eigen nennt. Ansonsten waren die Teile für mich eher ein Gadget für Technikenthusiasten. In Island hingegen herrschte akuter Selfie-Stick-Overload.

Selfie-Sticks everywhere

Das erste, was ich bereits nach kurzer Zeit in der Blauen Lagune sichtete, waren Leute, die ihre Smartphones dabei hatten – in wasserfesten Hüllen. Ich hätte jetzt keine Lust, die ganze Zeit mein Smartphone in der Hand zu halten, und hätte auch viel zu viel Schiss, dass sich in die Hülle nicht doch irgendwo ein Leck einschleicht, aber das konnte ich irgendwie noch nachvollziehen.

Eine weitere Armada von Leuten brachte einen Selfie-Stick mit ins Bad und transportierte das Smartphone auf selbigem. Gar nicht unoft sah ich außerdem auf einen Selfie-Stick getackerte GoPro-Kameras. Generell war ich überrascht wie viele Touris ihren Urlaub mit einer GoPro dokumentieren. Nicht nur in der Blauen Lagune, sondern den kompletten Islandaufenthalt über waren überall, wo es eine größere Traube an Menschen gab, GoPros auf Selfie-Sticks zu sehen.

Die Härtesten unter den Harten haben ihr Smartphone übrigens einfach ohne Schutz mit ins warme Wasser genommen. I don’t even… egal.

Und daaaaaaaann?

Das war’s erstmal zum Großteil des ersten Tages in Island. Im nächsten Teil gibt’s ein paar Worte zu unserer ersten Unterkunft und der isländischen Sprache. Dazu darfst du dich auf Bilder von unserer Tagestour nach Südisland freuen, inklusive Wasserfällen und schwarzem Sand.


  1. Das Wort Steinschlag triggert bei mir automatisch ein “Carglass repariert, Carglass tauscht aus”. Danke, Radio.

21. September 2015