Schlagzeilen

Island, Teil 2: 360° begehbare Wasserfälle und schwarzer Sand

tl;dr: Isländisch ist schwer. Wasserfall macht nass. Island im Nebel ist...
( •_•)
( •_•)>⌐■-■
(⌐■_■)
schwer zu durchschauen. Schwarzer Sand hat was. Wasserfall > Hunger.

Nachdem wir mit Blue-Lagoonieren fertig waren, fuhren wir in das Appartement, das unsere Unterkunft für die ersten 3 Nächte sein sollte. Unser Ziel war Hafnarfjörður, ein Vorort von Reykjavík, in dem wir uns eine gemütliche Wohnung via Airbnb buchten. Unser Host, Óskar, war von vornherein schon sehr nett und verständnisvoll, da wir etwas später ankamen, als ursprünglich geplant.1 Zwischendurch schrieb er:

Its saturday i m just chilling. Just text me when you want to go to the apartment :)

Einmal angekommen mussten wir das Gespräch mit ihm leider ziemlich abrupt abbrechen, da es 20:45 Uhr war und wir noch einkaufen mussten. Krónan hieß der Supermarkt, den wir einerseits erst mal finden mussten und der andererseits nur noch bis 21 Uhr geöffnet hatte. Das lief am Ende mit nur einmal verfahren vergleichsweise glatt, aber ich hätte dann doch noch gern etwas mit Óskar gequatscht.

Isländische Sprache und meine Entstehungstheorie dazu

Zumal ich mir trotz mehrmaliger Nachfrage bis heute nicht ganz sicher bin, wie der Ort Hafnarfjörður denn nun ausgesprochen wird. Das eine ist das Lesen der Buchstaben. Prinzipiell sind isländische Wörter eine ziemlich seltsame Aneinanderreihung von Buchstaben und dann auch noch dieses ð – ein Zeichen, das es in keiner anderen Sprache gibt. Es handelt sich dabei um einen der beiden Buchstaben für das englische th, in dem Fall die stimmhafte, weiche Variante (wie in that).

Aber selbst, wenn man das Lesen drauf hat, hört sich das gesprochene Ergebnis aus einem isländischen Mund noch mal komplett anders an. Anders genug, als dass ich es trotz zweimaliger Demonstration nicht so recht reproduzieren konnte. Ich wollte Óskar nicht länger quälen und habe von meinem Wunsch, den Ortsnamen ordentlich aussprechen zu können, dann recht schnell abgelassen.

Auf der Insel habe ich meine eigene Vorstellung davon entwickelt, wie die Sprache dort entstanden ist. Vor einer langen Zeit war eine größer werdende Gruppe Isländer unzufrieden aufgrund des abwechslungsfreien Alltags. Immer diese Jagerei und Existenzsicherung als oberstes Gebot, hier und da ein bisschen Fortpflanzung, laaaaaangweilig.

Sie kamen auf die Schnapsidee eine neue Sprache zu erfinden, mal was für’s Hirn. So hielten sie auf ein paar getrockneten Lavasteinen in ihrer Gemeinschaftshöhle mithilfe von runtergefallenen Stalaktiten alle Buchstaben und Silbenkombinationen fest, die sie kannten. Am Ende wurden alle Steine auf einen Haufen geworfen, ein bisschen durchgemischt und anschließend in zufälliger Reihenfolge “gezogen”. Durch Verbinden der dabei entstandenen Buchstaben- und Silbenfetzen wurden die Worte der isländischen Sprache gebildet.

Hammer Theorie, oder?

Weil das aber noch nicht exotisch genug war, hat man sich dafür entschieden bestimmte Buchstabenkombinationen anders auszusprechen. So wird vor einem ll ein t eingefügt, was z.B. die Aussprache von Eyjafjallajökull zu einem Kampf zwischen Lippen, Zunge und Zähnen werden lässt. Außerdem wird ein hv zu q und ein r am Ende eines Wortes zum ch.

Es gibt noch viele weitere Feinheiten, um den Westeuropäer mit seiner romanischen Sprachherkunft vor eine Herausforderung zu stellen. Isländisch hört sich lustig an, erinnert mich oft an Herr der Ringe, sichert sich aber trotzdem einen der oberen Plätze in meiner Rangliste der Sprachen, die ich nicht freiwillig lernen wollen würde.

Seljalandsfoss – ein Wasserfall zum Rundumbestaunen

Nach unserer ersten Nacht auf isländischem Boden starteten wir am nächsten Tag unsere Tagestour in den Süden. Unser Hauptziel war Vík, ein Ort, dessen Strand schwarzen Sand für uns bereithält. Whaaaaat?

Dat Wasserfall

Auf dem Weg dahin begegneten wir unserem ersten größeren Wasserfall, dem Seljalandsfoss. Was wir erst bei Ankunft bemerkten: ein Weg führte hinter dem Wasserfall lang, der zwar von Feuchtigkeit nicht verschont blieb (Wasserfall halt), jedoch mit einer außergewöhnlichen Perspektive lockte. Und das gleich bei unserem allerersten Wasserfall, woohoo!

Steffi in Action

Wir waren mit Regenjacken und -hosen eigentlich bestens ausgestattet, haben die Jacken auch übergezogen, erachteten es anfangs allerdings für nicht notwendig dies auch mit den Hosen zu tun. Den Rest des Urlaubs sollten wir eine Lehre daraus ziehen und die Regenhosen fast durchgängig tragen. Die praktischen Kleidungsstücke halten nicht nur den immer mal wieder plötzlich auftauchenden Niederschlag ab, sondern isolieren auch ganz gut zwecks Wärme. Bei Temperaturen an der unteren zweistelligen Grenze gepaart mit Wind und Regen nicht das Verkehrteste.

Vík mit schwarzem Sandstrand und Puffins

Bei der Weiterfahrt sind wir dann sogar am berühmt berüchtigten Eyjafjallajökull vorbeigefahren, ohne davon etwas zu sehen. Grund: Nebel. Island ist wunderschön, allerdings sieht man davon bei Nebel nichts außer “jap, das ist vermutlich etwas bergmäßiges hier direkt neben der Straße, aber keine Ahnung, wie hoch der geht.”

Dennoch war unser Ziel Vík í Mýrdal, bzw. dessen Strand, weil schwarzer Sand. There you go:

Schwarzer Sand und Berg im Nebel

Das war schon ein bisschen crazy. Allerdings am Ende gar nicht soooooo besonders, wie wir dachten, da wir im Laufe unseres Trips noch auf ein paar mehr Küsten treffen sollten, die schwarzen Sand featureten. Trotzdem ganz schön.

Wir watschelten etwas im Sand. Während meine Freundin sich nicht zwischen Grüße von Island und Grüße aus Island entscheiden konnte, hätte ich gern sowas wie Penis in den Sand geschrieben. Vielleicht habe ich das auch getan.

Am Ende des Strandes stießen wir auf einen Felsen, der neben einem Haufen Möwen auch viele putzige Papageitaucher (engl. Puffins) beherbergte. Wir gaben unser bestes, konnten aber kein ordentliches Bild machen. Darum gibt’s hier ein von Wikipedia Geliehenes:

Papageitaucher

Allerdings ist es ziemlich putzig zu beobachten, wie die Viecher ihren Flug starten. Anfangs wirken sie massivst angestrengt, flattern2 was das Zeug hält, als hätten sie das 17-fache ihres eigentlichen Körpergewichts in der Luft zu halten. Nach einer gewissen Zeit ist die Lage in der Luft aber gewohnt elegant. Wie gesagt, festzuhalten wussten das weder iPhone 6 noch Canon 40D so recht.

Skógafoss und sein Hinterland3

Ursprünglich wollten wir von Vík aus direkt wieder Heim. Es war kurz vor 6, wir hatten nichts mehr zu essen mit und die Aussicht darauf, länger als 2,5 Stunden auf unser Abendbrot zu warten, gefiel uns beiden gleich wenig.

An diesem Tag ist der Running-Gag des “Wenn wir schon mal hier sind…” entstanden, der uns recht regelmäßig über die Lippen ging. Wir sahen auf unserer Rückfahrt den Skógafoss, einen weiteren Wasserfall, und entschlossen uns kurzerhand doch noch zu checken, was dieser so für uns bereithält. Wenn wir schon mal hier sind…

Skógafoss

Eine gute Entscheidung. Natürlich. Dabei war das besondere nicht der Wasserfall an sich, sondern der Bereich dahinter. Ein paar Stufen musste man erklimmen, um erkunden zu können, wo denn der Wasserfall eigentlich herkam.

Skógafoss und Steffi

Und das hat uns beide dann irgendwie ziemlich geflasht. Ich hab mich aufgemacht möglichst nah an den Fluss heranzukommen…

Skógafoss Selfie

…während meine Freundin sich weiter oben aufhielt und fleißig Fotos machte. Hier ein Suchbild:

Skógafoss Steffi-Suchbild

Und daaaaaaaann?

Wir hielten uns dort wesentlich länger auf, als eigentlich angedacht. War halt wirklich schön. Anschließend sind wir heim gefahren, viel zu hungrig angekommen, haben aber im Gegenzug ein erstes richtiges Hach-Erlebnis mitgenommen.

Für den nächsten Tag war der Goldene Kreis geplant, eine Reihe von Touri-Attraktionen, die durch ihre räumliche Nähe ganz gut an einem Stück abzufertigen sind. Das bedeutet im nächsten Teil gibt’s Geysir-Videos, einen weiteren Wasserfall (diesmal mit Regenbogen) und mein Lieblingsbild des gesamtes Urlaubs. See ya!


  1. Pünktlichkeit – mein ewiger Endgegner

  2. Verwechslungsgefahr: flattern, nicht flattrn, liebe Podcaster

  3. Oooeeeeeooooooo

23. September 2015