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Island, Teil 3: viel Wasser, Kontinentalgrenzen-Feeling und dampfende Erde

tl;dr: Þingvellir kann man machen. Geysire sollte man gesehen haben. Gullfoss ebenso. Und nicht immer nur Fotos machen, Kinners!

An Tag Numero 3 wollte der Golden Circle in Angriff genommen werden. Dabei handelt es sich um ein Gebiet im Südwesten der Insel, das im Wesentlichen 3 Sehenswürdigkeiten umfasst:

Alle 3 kann man ziemlich gut innerhalb eines Tages abfahren und um den auszureizen, müsste man sich schon gut Zeit lassen. Was wir natürlich taten und worüber ich auch sehr froh bin. Manche der zahlreichen Reisebusunternehmen, die diese Tour anbieten und alle Sehenswürdigkeiten nach und nach abklappern, begrenzen den Aufenthalt pro Stopp auf ganze 45 (in Worten: Fünfundvierzig) Minuten. Viel mehr als einen kurzen Eindruck verschaffen um dann direkt zurück zum Bus zu hetzen lässt sich dabei aber nicht wirklich bewerkstelligen, weswegen dieses Vorgehen das Prädikat Maximalunsinn® verdient.

Þingvallavatn in Nebelschwaden

Den ersten Halt machten wir an einem See, der bereits Teil vom Nationalpark Þingvellir ist: Þingvallavatn. Der größte See der Insel kommt vor allem durch die umliegende Hügellandschaft zur Geltung. Weil Island wohl dieses Jahr einen ziemlich harten Winter hatte, der temperaturmäßig bis in den Juli1 reinragte, tragen viele Hügel noch Schnee, die das normalerweise schon lange nicht mehr tun. Tut dem Panoramablick definitiv keinen Abbruch. Gepaart mit etwas Nebel ergibt sich eine angenehm seltsame Stimmung.

Þingvallavatn

An dieser Stelle mal wieder ein klein wenig Sprachkunde. Das Þ ist das Pendant zum im zweiten Teil beschriebenen ð und wird als scharfes, stimmhaftes th gelispelt. So kommt es, dass Thor z.B. Þor geschrieben wird. Und wenn Autoren das Þ auf ihrer Tastatur gerade mal nicht finden, tippen sie faulerweise auch mal Thingvellir statt Þingvellir.

Þingvellir

Vom Rest des Nationalpark waren wir zugegebenermaßen etwas enttäuscht. Es gibt einen Weg zwischen 2 großen Felswänden, was als Pfad zwischen der eurasischen und amerikanischen Kontinentalplatte gelten soll, das aber gar nicht wirklich ist, wie wir in unserem illusionsraubenden Reiseführer nachlesen durften. Die Wände an sich waren nichtsdestotrotz beeindruckend.

Þingvellir-Felsen

Wir haben uns nach einem kleinen Rundgang wieder ins Auto begeben und fuhren frohen Mutes weiter zur nächsten Station. Dabei haben wir etwas seufzend mitbekommen, dass etwas weiter entfernt auch die Möglichkeit bestand auf besagten Felswänden langzuspazieren, wofür wir uns aber letztlich nicht begeistern konnten. Unsere Gedanken waren schon bei den Geysiren.

Hätten wir uns rechtzeitig um einen Tauchkurs gekümmert, hätten wir sicherlich auch einer der Tauchtouren zwischen den Kontinentalplatten in der sogenannten Silfraspalte mitgenommen. Aber naja, ist ja nicht so, dass es nichts anderes in Island zu sehen gäbe.

Da kocht Wasser aus dem Boden

Als wir in Haukadalur, dem Geothermalgebiet, das einige Geysire beherbergt, ankamen, hat die Sonne beschlossen aus ihrem Loch hervorgekrochen zu kommen, was sicherlich seinen Teil dazu beigetragen hat, dass die folgenden Stunden ein ziemlich geniales Erlebnis waren.

Die Erde dampft

Auf dem Weg zur Hauptattraktion, dem aktiven Geysir namens Strokkur, sieht man neben sich die Erde blubbern und dampfen. Eigentlich schon eine Attraktion für sich. Aufgrund unserer Neugierde verweilten wir jedoch nicht lang und machten uns auf, besagten Strokkur beim Wasser in die Luft schleudern zu beobachten und festzuhalten. Dabei herausgekommen ist unter anderem das hier:

Hinweis: Watch your mobile Datenvolumen! Sollte das Video nicht abspielen, mal hier versuchen.

Wir verharrten einige Zeit vor diesem kleinen Naturwunder. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, aber man liest, dass der Strokkur ungefähr alle 10 Minuten eine Fontäne dieser Art zum Besten gibt. Die Intervalle sind also vergleichsweise kurz, allerdings wollten wir – wenn wir schon mal hier sind – dem Spektakel natürlich ein paar Mal öfter beiwohnen. Wahnsinn, wie viel Zeit bei so ein bisschen Geysirgafferei drauf gehen kann.

Erlebnisse, Erinnerungen und Fotos als Verknüpfung dieser

Ich gebe gern zu, dass ich recht schnell der Motivjagd verfallen bin. Gar nicht so selten zückte ich nach einem kurzen “Boah, guck mal” direkt das Smartphone aus der Tasche um die Eindrücke möglichst optimal festzuhalten. Ein ums andere Mal musste ich mir allerdings bewusst machen, dass der Blick durch die Linse mitunter das Erlebnis vor Ort beeinträchtigt. Und dieses Erlebnis hat man nunmal nur in diesem Moment. Ist ja letztendlich der Grund, warum man überhaupt vor Ort ist und sich nicht mit den Kamerafahrten aus Terra-X-Dokumentation zufrieden gibt.

Erinnerungen sind etwas tolles und unsagbar wertvoll, deswegen bitte immer Fotos schießen, wo geht! Je älter man wird und je weiter die Momente entfernt sind, desto mehr wird man die Auffrischung nach und nach verblassender Erinnerungen schätzen lernen. Dabei sollte man nur nicht vergessen neben dem Einfangen zukünftiger Erinnerungen auch tatsächlich etwas zu erleben, an das es sich zu erinnern lohnt.

Warum ich das an dieser Stelle so hervorhebe? Sucht auf diesem Foto mal nach Menschen, die den Strokkur nicht durch eine Linse betrachten.

Menschen fotografieren Strokkur

Das Strokkur-Hinterland2

Einen richtig massiven Hach-Moment hatten wir, als wir an den ganzen Geysiren vorbei einen kleinen Hügel hinauf geklettert sind. Dort oben hatte man zum einen das ganze Getümmel des Strokkur und seiner Geschwister im Blick. Zum anderen – und vor allem recht gegensätzlich – gab es hinter dem Hügel ein kleines Tal, in dem sich keine Menschenseele befand. Dazu kam auch, dass die Sonne die unterschiedlichen Grüntöne des Grases hervorzuheben wusste.

Das klingt sicherlich unglaublich Hippie-mäßig und auch das folgende Foto kann die Stimmung dieses Moments mal so gar nicht widerspiegeln. Aber wie gesagt, Fotos sind nicht immer alles, die Erinnerungen sind in meinem Kopf. Und die sind brachial schön.

Hippie-Gefühle auslösender Hügel mit Aussicht

Wasserfall mit Regenbogen

Nachdem wir Ausblick und Sonne dort ausreichend genossen hatten, traten wir den Weg zurück zum Auto an um den letzten Halt anzusteuern: den Gullfoss. Übersetzen lässt sich dieser mit goldener Wasserfall, was – der aufmerksame Leser wird es bemerkt haben – dem Golden Circle seinen Namen verleiht.

Kurz bevor wir am Gulfoss ankamen, beschlossen wir mal zu erkunden, was dieses schluchtige Etwas dort am Seitenrand für uns bereithält. Durch Kulisse, Sonne und Wind ist dabei der für mich persönlich schönste Schnappschuss des gesamten Urlaubs entstanden:

Vom Winde verweht

Was mir dabei einfällt: da dies hier nur ein kurzer Zwischenstopp sein sollte, habe ich das Auto nicht abgeschlossen und die Schlüssel stecken lassen. Da in Leipzig ganz gern bei mir geklaut wird – bevorzugt Schuhe und Schutzbleche – bereitete mir das zwischenzeitlich zwar Sorgen, allerdings verwies mich meine Freundin auf die gegen 0 tendierende Kriminalitätsrate auf Island. Und realistisch betrachtet haben Touris, die Richtung Gullfoss reisen, genug eigene fahrbare Untersätze, als dass ein Diebstahl eines weiteren Sinn ergäbe.

Nun aber zum Gullfoss an sich. Wir hatten wie gesagt das Glück, dass dank der gnädigen Sonne die Sehenswürdigkeiten Islands heute in besonderem Glanz erstrahlten. So auch dieser zweistufige Wasserfall, der nicht nur für ungeheuer viel Krach sorgte, sondern inklusive Regenbogen auch ein sehr schönes Foto für den eigenen Blog hergibt.

Gulfoss

Wir haben uns mithilfe der Infotafeln noch etwas “für den Fall, dass wir mal bei Wer Wird Millionär sitzen”-Wissen über die Geschichte des Wasserfalls angeeignet und machten uns dann auf den Heimweg. Ein anstrengender, aber vor allem sehr schöner Tag fand bei einem nicht minder eindrucksvollen Sonnenuntergang vor unserer letzten Übernachtung in Hafnarfjörður sein Ende.

Und daaaaaaaann?

Am nächsten Tag sah ich mich zum ersten Mal im Urlaub mit einem meiner absoluten Endgegner konfrontiert: Pünktlichkeit. Wir erfuhren, dass das isländische Verständnis dessen, was sich “Straße” nennen darf, von der deutschen Auffassung abweicht. Außerdem erhielten wir eine Erklärung für die vielen asiatischen Touristen, die es nach Island verschlägt, und stiegen hinab in eine Lavahöhle.

Das und noch ein bisschen mehr gibt’s im nächsten Teil der Enno’schen Odyssee durch dieses kleine, sympathische Island.


  1. Zur Erinnerung: das ist der zweite Sommermonat. Sommer, das ist diese Jahreszeit nach dem Frühling. Und in dieser Zeit hat ein Land, das eh nicht für sein tropisches Klima berühmt ist, Wintertemperaturen. Brrrrrr.

  2. Oooeeeeeooooooo… (mal sehen, ob ich den jetzt jedes Mal bringe)

8. Oktober 2015