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Kein Facebook ist auch keine Lösung

tl;dr: Facebook ist oll. Aber es führt leider noch kein Weg dran vorbei. Ich hab's versucht und bin gescheitert.

Ich wollte diesen Scheiß nicht mehr länger mitmachen. Ich wollte kein Teil eines Netzwerks sein, das als Plattform eigentlich keinen Spaß macht. Es ist nicht hübsch, es ist nicht smooth, die Apps spinnen rum, sortieren Inhalte je nach momentanem Gemütszustand unterschiedlich. Facebook lässt durch und durch jegliche Orientierung an Nutzerbedürfnissen vermissen.

Ich gebe zu, dass der Zuckerberg etwas großartiges geleistet hat. Er hat erkannt, was Leute wollen und bisherige Lösungen aus Chats, Instant Messengern und Foren vereint und verbessert. Zu einem Großen und Ganzen, einem sozialen Netzwerk, das Online-Interaktion auf eine einfache und vorher so nicht existierende Weise ermöglicht.

Doch Mr. Zuckerberg und seine Meute haben einen völlig falschen Weg eingeschlagen.

Das Kapital von Facebook sind die Nutzerdaten. Je genauer sie Nutzer kennen, desto eher wissen sie um deren Interessen, desto zuverlässiger können sie einer bestimmten Zielgruppe zugewiesen werden, für die Werbung geschaltet wird. Und das bringt Kohle. Bis hier her ist alles vollkommen ok und ich sehe darin nichts schlimmes.

Um dieses Kapitel – also die Nutzerdaten – zu vermehren, schrecken sie jedoch nicht davor zurück, die Kapitalgeber selbst – also dich und mich – regelmäßig zu verschrecken, zu bevormunden, zu verarschen.

Warum verarscht ihr eure Nutzer?

Warum muss jede neue Funktion deaktiviert werden? Warum macht man es nicht richtig, stellt ein neues Feature vor und versucht den Nutzer vom Mehrwert zu überzeugen?

Warum sind Einstellungen für die Sichtbarkeit von Inhalten und die Bestimmung der “Privatsphäre” auf Facebook teilweise so scheiße unintuitiv strukturiert und blöd verschachtelt, ja teilweise nicht existent?

Warum zur verfickten Hölle habt ihr euren Dienst nicht mit dem Nutzer weiterentwickelt sondern gegen ihn? Niemand, den ich kenne, hat noch Vertrauen in Facebook. Jeder weiß zumindest in Ansätzen, dass mit Facebook irgendwas nicht stimmt. Auch wenn es die wenigsten zum Austritt bewegt. Inwiefern bitte ist diese Situation erstrebenswert, Herr Zuckerberg?

Bei mir hat es gereicht. Ein Artikel von Amy&Pink1 brachte bei mir damals™ das Fass zum Überlaufen und sorgte für den finalen Mindshift, der dazu geführt hat, dass ich Facebook nicht mehr nutze. Nicht mehr genutzt habe.

Für gute 2 Monate hatte ich wenig Probleme damit. Ganz im Gegenteil. Ich hatte merklich mehr Zeit für anderes. Und wenn ich die ehemalige Facebook-Zeit nur in Twitter oder meinem RSS-Reader verbracht habe, so habe ich doch gefühlt etwas gewonnen. Es war einfach ein Netzwerk weniger, das regelmäßig gecheckt werden wollte.

Das dicke, fette Aber

Facebook ist mein Netzwerk für Freunde, Verwandte und Bekannte. Ich habe Twitter, ich habe Google Plus, verdammt, ich hab sogar App.Net. Doch der Großteil der Leute, die ich tatsächlich im Reallife kenne, tummelt sich bei Facebook.

In einer Zeit wie der jetzigen, wo Freunde in den Urlaub fahren oder etwas mehr arbeiten als sonst, um ein kleines Polster für das kommende Semester anzustauen, bekommt man leider nicht mehr all zu viel von deren Leben mit. Zumindest geht es mir so. Ich bin kein großer Telefonierer und Treffen in großer Gruppe sind vergleichsweise selten, da wie gesagt kaum jemand da ist.

Sonst war Facebook in der Sommerpause immer ein guter Platz um am Ball zu bleiben. Um zu erfahren, was die Leute beschäftigt und was sie so treiben.

Ohne Facebook fällt das offensichtlich flach. Und das stinkt. So gern ich auch mit meiner Twitter-Timeline hin und her schreibe, hin und wieder möchte ich auch wissen, was die Menschen in meinem direkten Umfeld für Schandtaten anstellen.

Die traurige Wahrheit: es führt kein schmerzfreier Weg an Facebook vorbei

One does not simply quit Facebook

Facebook ist lahm, Facebook ist – zumindest solang das von Google+ kopierte Design bei mir noch nicht angekommen ist – hässlich und vor allem nutzt Facebook seine Nutzer gnadenlos aus. Doch sie waren die ersten, die ersten wirklich großen. Und das ist ein Erfolg, der einzige Erfolg, von dem sie heute noch leben.

Ich wünschte es wäre nicht so, doch so lang ich die Leute dort nicht dazu bewegen kann das Netzwerk zu wechseln, werde auch ich bei Facebook wieder regelmäßig vorbeischauen. In einem dedizierten Browser. Und nur dort. Facebook soll nach Möglichkeit bis auf das, was ich dort poste, nicht mehr allzu viel von mir mitbekommen. Und auch auf meinem Smartphone hat Facebook nichts mehr verloren.2

Schöne, neue ich-hasse-den-Service-aber-nutze-ihn-trotzdem-Welt. Eigentlich hat man ja die Wahl. Uneigentlich aber nicht.


  1. Amy&Pink ist ja nun tot, deswegen kann ich den wunderbar rotzigen Blogpost nicht mehr verlinken. Alternativ biete ich aber gern den Schriebsel von gu3ver an, der meine Gemütslage auch ganz gut widerspiegelt. Wenn auch nicht zu 100%.

  2. Was durch die Tatsache begünstigt wird, das die App bei mir keine Inhalte mehr laden will.

1. September 2013