Schlagzeilen

Gesellschaftlich anerkanntes Nerdtum

tl;dr: Ich nerde, du nerdest, er/sie/es nerdet. Jeder ist Nerd. Nicht nur Leute, die viel Zeit vor dem Rechner verbringen. Auch du! Sowieso.

Vergangenes Wochenende durfte ich der Einweihungsfeier von Freunden beiwohnen, die unter das Motto Nerds und Streber gestellt wurde, d.h. alle sahen ungefähr so aus:

Das Klischee vom Nerd

Wer an dieser Stelle hofft ein paar ulkige Fotos von mir in meinem Outfit zu sehen, der wird leider enttäuscht. Nicht alles muss in das Licht der Öffentlichkeit gestellt werden. Es soll vielmehr um eine interessante Beobachtung gehen, die mich dazu brachte die folgenden Zeilen zu schreiben.

Gute, alte Grüppchenbildung

Nach einiger Zeit hatten sich 3 Grüppchen gebildet. Gruppe 1 sah sich alte Schulbilder an. Analog. In Büchern. Ewww.1 Gruppe 2 lauschte zu fünft einem Video, während ein Mitglied aus Gruppe 3 vorbeiging und etwas sagte wie “Das ist jetzt aber wirklich nerdig.

Sie meinte das natürlich lustig. Gibt sicherlich ein geniales Bild ab, wenn sich 5 Leute verhalten kichernd um ein iPhone versammeln und dem lauschen, was da so aus den Lautsprechern heraus… krächzt. Ein leichtes Schmunzeln kann ich mir im Nachhinein dennoch nicht verkneifen, da die wirklichen Nerds in Gruppe 3 saßen.

In gemütlicher Runde wurde dort – bis auf wenige, versehentliche Ausflüge – über nichts anderes als klettern gequatscht. Also nicht auf einem Spielplatzgeländer oder der Sprossenwand in der Turnhalle. So richtig, mit Ausrüstung und so. Einer der Gastgeber findet regelmäßig seinen Weg in die Kletterhalle, weswegen er dort auch ein paar Bekanntschaften gemacht hat, die ebenfalls anwesend waren. Gruppe 3.

Ich gesellte mich dazu, bin aber, nachdem ich mein Baguette vom Grill verspeist hatte, recht schnell wieder abgedampft. Es gab leider kaum was zu holen. Ich hörte etwas von Exen, 7+ und K4. Hin und wieder fragte man sich in großer Runde, ob es eigentlich schlimm ist, dass man über nichts anderes als Klettern redet. Nur um kurze Zeit darauf von einer Freundin zu erzählen, die aufgrund ihrer kleinen Hände bei bestimmten, schwierigen Griffen einen Vorteil hatte.

Klarer Fall von Kletter-Nerds. Nerds? Nerds!

Nerds: damals™ und heute

Das Bild vom Nerd hat sich gewandelt. Was früher2 ein Stempel für blasse Kellerkinder war, die den ganzen Tag zwischen World Of Warcraft und YouPorn pendelten, ist heute eher positiv gefärbte Umgangssprache. Hornbrillen sind mittlerweile modische Accessoires, Comicverfilmungen sind Familien-Entertainment und über Big Bang Theory lässt sich auch ohne abgeschlossene Hochschulausbildung lachen.

Das hier trifft’s ziemlich gut:

“Nerd” used to be an insult. Now it’s something you call yourself when you want to be congratulated for having interests.

Nerdsein bedeutet nicht viel mehr als eine Leidenschaft für etwas zu haben.

Ich z.B. hab u.a. eine Leidenschaft für gut gemachte Software. Das ist der Grund warum ich mich beim durchstöbern der iTunes Library in Ekstase freuen kann, dass die Farbgebung jeder Album-Tracklist zum Cover passt.3

iTunes-Screenshots

Was folgt? Ungläubige Blicke und “Enno, du bist so ein Nerd!

Jap. Diese Leidenschaft teilt nicht jeder, mangels Ahnung und/oder Interesse. Ist aber andersrum genauso, wenn ihr übers Klettern, Backen oder über Bücher sprecht. Ihr Nerds!

Jeder ist Nerd, weil jeder für irgendwas brennt. Ist heutzutage weder was Besonderes, noch eine Beleidigung.

Das wollte ich nur mal gesagt haben. Hier noch ein lustiger Tweet.


  1. Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: ich mag Nostalgie dieser Art. Natürlich. Aber wenn bereits 3 Paar Augen auf ein solches Jahrbuch gerichtet sind, wird es schwierig noch etwas mitzubekommen. Zumal die obligatorischen Insider ausgepackt werden, die man selbst als Unbeteiligter nicht versteht.

  2. Manchmal auch heute noch.

  3. Jaja, iTunes ist jetzt nicht das Paradebeispiel für gut gemachte Software, aber das angesprochene Feature ist wirklich dufte.

27. April 2014