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NNP: Nearly No Push

tl;dr: Außer bei kurzen, direkt an mich gerichteten Nachrichten gibt es auf meinem Smartphone keine Push-Benachrichtigungen mehr. Folge: mehr Produktivität bei der Arbeit und mehr Aufmerksamkeit für die eigene Umwelt.

Das war noch was. Ich kann mich recht gut daran erinnern, wie ich mich back in the days (lies: 2009) an Push-Benachrichtigungen aufs Handy erfreuen konnte. Zum Lesen von Mails musste ich nicht mehr an den Rechner zu Haus, sondern habe sofort nach Eintreffen eine Benachrichtigung auf das Smartphone bekommen. Und konnte sofort antworten. Sobald ich einen Like oder eine Nachricht bei Facebook bekam, wurde ich darüber benachrichtigt. Und konnte sofort antworten. Auch neue Mentions, Follower und Favs wurden auf meine Handy gepusht. Und ich konnte sofort antworten.

Schöne, neue Nie-mehr-irgendwas-verpassen-Welt. Mit einem beachtlichen Haken: nicht jede Mail, jede Nachricht, jede Mention ist so wichtig, dass sie sofort beantwortet werden muss. Absolut nicht.

Dazu ist das ständige Vibrieren und Aufleuchten des Displays ja ganz fein, solang man nichts zu tun hat. Wenn man jedoch versucht sich zu konzentrieren, sind Push-Benachrichtigungen unglaublich gut darin trainiert die Zielperson von der Arbeit abzulenken.

In der Konsequenz verwandeln sich Push-Benachrichtigungen vom ehemals geliebten Anzeichen sozialer Interaktion in nervtötende Konzentrationskiller. Wie die Mücke im Schlafzimmer sein Opfer durch aufdringliches Vor-dem-Ohr-rumsummen vom Schlafen abhält, so hält die Push-Benachrichtigung seinen Empfänger von dem ab, was auch immer er gerade versucht zu tun.

Kein Push ist auch keine Lösung

Deswegen habe ich mich dazu entschieden, die Apps, die mir Push-Benachrichtigungen senden dürfen, stark einzuschränken. Facebook? Näh. Google+? Näh. Selbst E-Mails bleiben außen vor. Auch wenn es sich anfangs anders anfühlt: es gibt sehr, sehr, sehr, sehr wenige Mails, die ein sofortiges Reagieren erfordern. Selbst für mich als Webentwickler wo vergleichsweise viel Kundenkommunikation über E-Mail geschieht.1

Gepusht wird nur noch, was tatsächlich an mich gerichtet ist und SMS-igen Charakter hat. Also:

Wer etwas hat, auf das er eine dringende Antwort benötigt, soll diesen Weg der Kurzmitteilung gehen. Alles andere rufe ich erst dann ab, wenn ich Zeit dafür habe und es als notwendig erachte.

Konsequenzen: mehr Produktivität, weniger Ablenkung

In erster Linie erreicht man vor allem eins: konzentrierteres Arbeiten. Und das fühlt sich gut an. Wer regelmäßig erlebt, dass er sich in ein und denselben Denkprozess dreimal einarbeiten muss, weil er vorher immer wieder durch Push-Benachrichtigungen rausgerissen wird, wird das gut nachvollziehen können.

Auch unabhängig von der Arbeit ist es schön, wenn man einen chilligen Nachmittag mit Freunden verbringen kann, ohne ständig zu checken, was da jetzt gerade für die Vibration in der linken Hosentasche gesorgt hat. Quality time with your loved ones nennt man das heutzutage.

Für die wenigen Fälle, in denen trotz der Einschränkung immer noch zu viel bssssst und plonggggg durchkommt, gibt es den temporären Ausweg des Do-Not-Disturb-Modes. Einen Schalter, den man umlegt, damit Benachrichtigungen zwar auf dem Startbildschirm angezeigt werden, aber keine Geräusche oder Vibrationen mehr verursachen. Ist bei mir während der Arbeitszeit quasi immer aktiv. Wirkt besonders effektiv, wenn auf Twitter ein Chat zwischen 2 Leuten entsteht, bei dem unnötigerweise die ganze Zeit der eigene Name mit ge-Mention-ed wird.

Mehr Pull statt Push

Der große Vorteil am Pullen, also am manuellen Aktualisieren: es ist selbstbestimmt. Eine Push-Benachrichtigung kann schnell dazu führen, dass man Facebook wegen einer Nachricht öffnet, dann sieht, wie sich die Timeline aktualisiert, und erstmal in selbiger versumpft. Plötzlich sind 15 Minuten2 um, obwohl man nur auf eine Nachricht antworten wollte.

Ok, das ist beim Pullen nicht ausgeschlossen. Jedoch wird nicht von extern bestimmt, dass du die App startest. Du selbst entscheidest dich dafür. Du wirst nicht aus deinem jetzigen Tun rausgerissen, sondern hast gerade Raum und Zeit dafür in der Timeline zu versumpfen.

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NNP ist vermutlich nichts für jeden. Bei manch einem wird der Drang nach manueller Aktualisierung eine größere Ablenkung verursachen, als es Push-Benachrichtigungen je tun könnten.

Ich kann für meinen Teil jedoch behaupten, dass das Verzichten auf einen Großteil der Push-Benachrichtigungen eine der besseren Entscheidungen in meinem Leben war. Probiert es aus. Einen Tag, eine Woche, einen Monat. Findet heraus, ob es euch etwas gibt oder nicht.

Aber hört auf, eure Handys zu checken, wenn ihr euch gerade mit jemandem unterhaltet. Mama hat fertig.


  1. Das soll allerdings nicht heißen, dass es in allen Berufsfeldern so funktionieren würde. Ein Projektmanager könnte in Schwierigkeiten geraten, wenn er seine Mails nur 2x pro Tag abholt.

  2. Ich verschweige an dieser Stelle mal, dass es bei mir in der Regel wesentlich mehr als besagte 15 Minuten sind.

2. August 2013