Schlagzeilen

Schicksal, aber nur ein ganz kleines bisschen

tl;dr: Vergesslichkeit und ungünstiges Timing sind nicht immer etwas schlechtes. Sie schaffen Gelegenheiten.

Es folgt eine Geschichte aus meinem Privatleben, die ich früher™ als eine dieser klassischen Anekdoten eingestuft hätte, aus denen alle Blogs bestehen.

Bestimmte Umstände, die nicht in unserer (Freundin + meiner) Hand lagen, und eine gehörige Portion irgendwie geht es doch immer sind Schuld daran, dass ich unsere Wohnung hin und wieder als Bruchbude bezeichne. Die Wohnung an sich ist wirklich schön, die Lage ist erste Sahne und im Großen und ganzen fühle ich mich hier wirklich wohl. Ab und zu merkt man dem Haus aber an, dass 1. beim Bau viel gepfuscht wurde und 2. die zuständige Wohnungsbaugenossenschaft aus der Hölle gesandt wurde um mit ihren unfähigen Mitarbeitern die Leipziger für ihre Sünden zu bestrafen.

Flackernde Lichter in der Küche

So kam es diesmal, dass unsere Lampen unregelmäßig eine Art Wackelkontakt hatten und anfingen zu flackern. Wer das mal erlebt hat, weiß wie unangenehm das sein kann. Strobo im Club ist ok, beim Abwaschen brauch ich das nicht.

Da meine Freundin und ich um die Macken des Hauses wussten, haben wir dem keine größere Bedeutung beigemessen. Waren sicher irgendwelche Schwankungen oder so. Eine Woche später fing es dann wirklich an zu nerven, so dass ich die Situation einer netten Mitarbeiterin besagter Wohnungsbaugenossenschaft am Telefon schilderte. Mein Anliegen würde sofort weitergegeben. Standardsprache halt.

Der Geruch angeschmorter Kabel zum Frühstück

Am nächsten Morgen hatten wir beim Frühstückvorbereiten wohl ein paar Gerätschaften zu viel an, da es aus dem Sicherungskasten plötzlich seltsam roch. Glücklicherweise war mein Schwiegerpapa anwesend, der ein bissl Ahnung von so Handwerkerzeugs hat. Kurzerhand das Verdeck vom Sicherungskasten abgebaut und gesehen, dass ein Teil angeschmort war. Das erklärte den Geruch und den Wackelkontakt. Also halbwegs energisch bei der Notfallnummmer (es war ein Samstag) angerufen, um dort eine nicht ganz so coole Mitarbeiterin anzutreffen. Aber die nette Dame beim letzten Anruf war auch eher Luxus, von meiner Seite also keine allzu große Überraschung. Der Rest der Anwesenden war allerdings etwas ungehaltener, als ich mich rechtfertigen musste warum das denn jetzt überhaupt ein Notfall sei. Anyway.

Sie konnte mir nicht genau sagen, wann ein Elektriker vorbeikommen würde, war aber auf erneute Nachfrage (Hallo?! Kein Strom, kein WLAN?! Am Wochenende?!) recht zuversichtlich, dass es noch am selben Tag etwas werden würde. Wie beruhigend.

Handwerkeraufsicht statt Einkaufspassage

Leider, leider konnte ich der samstagvormittäglichen Shoppingrunde nicht beiwohnen und durfte musste zu Haus bleiben, um auf den Elektriker zu warten.1 Als der Rest unserer Bande los ging, habe ich noch den Frühstückstisch abgeräumt, nahm mein iPad und begab mich ins Bad.

Kurz darauf klingelte es schon an der Tür, die Elektriker waren da. Das ging unerwartet fix. Aber: ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen könnt ihr euch vermutlich vorstellen, dass man nur ungern vom stillen Örtchen geklingelt wird. Die Elektriker selbst wurden auch etwas ungeduldig, dachten aufgrund der etwas erhöhten Wartezeit es sei niemand da und riefen auf meinem Handy an, während ich quasi dabei war die Tür aufzumachen. Unnötig, aber von großen Wert, wie sich später herausstellen sollte.

Ich schilderte die Lage, die beiden machten ihren Job, lieferten dabei ein Sächsisch, bei dem sogar ich Verständnisprobleme hatte, und nach so 30 Minuten war der Spuk auch schon vorbei.

Merke: Milch nicht wegstellen + nicht schnell genug vom Klo kommen = epischer Vorteil.

Und jetzt kommt der Clue der ganzen Geschichte. Kurze Zeit später bin ich in die Küche gegangen und habe gemerkt, dass ich die Milch nicht zurück in den Kühlschrank gestellt hatte. Klingt spannend, ne? Beim Öffnen des Kühlschranks war allerdings kein Licht an. Es stellte sich heraus: beim Einbauen des Ersatzteils in den Sicherungskasten war ein Kontakt nicht korrekt gesetzt, weswegen die Hälfte der Steckdosen in der Küche nicht ging.

Das Ding dabei: hätte ich die Milch nicht stehen lassen, wäre mir der stromlose Kühlschrank vermutlich erst gegen Abend aufgefallen. Wer weiß ob zu dem Zeitpunkt noch jemand zu erreichen gewesen wäre.

Apropos erreichen: normalerweise hätte ich um die Handwerker auf ihr Missgeschick aufmerksam zu machen, erst wieder die Zentrale anrufen müssen, in der Hoffnung, dass mein Anliegen dort asapissimo2 weitergereicht würde. Glücklicherweise hatte ich aber die Handynummer der beiden, da sie ja versucht hatten mich anzurufen. Wäre ich also schneller an der Tür gewesen, hätte ich die Handynummer nicht gehabt und das Ganze hätte sich vermutlich noch eine Weile gezogen.

Unscheinbare Zufälle mit großer Wirkung

Dazu kommt, dass ich nicht weiß, ob ich überhaupt die Notfallnummer angerufen hätte, wenn mein Schwiegerpapa sich den Sicherungskasten nicht genauer angeschaut hätte.

Diese 3 kleinen Zufälle haben dafür gesorgt, dass mir eine Menge Probleme erspart geblieben sind. 3 scheinbar beliebige Gegebenheiten des Alltags, die in Summe dafür gesorgt haben, dass ich Samstag Abend Strom hatte und wir uns noch für einen anstehenden Abschlussball aufbrezeln konnten.

Es ist manchmal verrückt, wie viele kleine Entscheidungen wir treffen, die uns vor negativen Erlebnissen bewahren, wie viele kurze Gelegenheiten aber auch an uns vorbeiziehen ohne von uns bemerkt zu werden.


  1. Nur um das klarzustellen: ich bin keiner dieser “Hilfe, rettet mich vorm Shopping mit Frauen”-Typen. Aber Samstag Vormittag in der Leipziger Innenstadt ist Krieg. Ohne Scherz. Da tun sich menschliche Abgründe auf, nee nee. In solchen Situationen merk ich, dass ich sehr wohl auch eine introvertierte Seite habe.

  2. Kommt aus dem von meiner Seite uneingeschränkt zu empfehlenden Film Fack Ju Göhte, ist eine abgewandelte Form von ASAP, was so viel bedeutet wie as soon as possible und die Standardantwort jedes Projektmanagers auf die Frage Bis wann muss das spätestens fertig sein? ist.

27. November 2013