Schlagzeilen

Und sonst so – Juni 2018

Im Juni zeigte sich der Sommer in all seiner Pracht. Alle kotzen wegen der Hitze, ich liebe es. Ansonsten die üblichen Arztbesuche, immerhin bin ich jetzt im Ü30-Club, Konzertgeschichten und die unendliche Dummheit der Menschen. Mich eingeschlossen.

WWDC 2018

Was die Buchmesse den Leseratten, die Gamescom den Spiele-EnthusiastInnen und der AfD-Parteitag den Aluhüten ist die WWDC den Apple-Opfern. Dabei handelt es sich um eine einwöchige Entwicklerkonferenz, die mit einer einen Vorgeschmack auf das restliche Software-Jahr gebenden Präsentation beginnt. Diese wird live gestreamt, idR 19 Uhr unserer Zeit.

Zu iEnno-Zeiten waren mir diese rund 2 Stunden heilig. Nicht nur wegen der Präsentation an sich, vor allem auch wegen der Twitterei währenddessen. Genauso wie der ESC sind Apple-Präsentationen stets ein unterhaltsames Spektakel, das sich auf Twitter zu verfolgen lohnt. Mein Interesse daran nimmt jedoch von Jahr zu Jahr ab. Einerseits weil mir Twitter – wie ich nicht müde werde zu betonen – immer unattraktiver wird, andererseits weil sich Apple zunehmend auf Bereiche konzentriert, die mir weniger zusagen. Ich bin ein MacBook-Fan, aber Smartphones, -watches und Tablets bekommen wesentlich mehr Aufmerksamkeit dieser Tage. Ich schweife ab.

Die Filterblase, in der ich mich befinde, ist sehr Apple-lastig. Was ich täglich so lese, was ich an Podcasts höre und wem ich in sozialen Netzwerken folge – vieles davon hat irgendwie mit Apple zu tun. Das hat sich im Zuge von iEnno so entwickelt und ist – wenn auch in abgeschwächter Form – so geblieben. Mittlerweile weniger wegen Apple an sich, sondern hauptsächlich, weil ich die Leute über die Jahre lieben gelernt habe. Ihre Schreibe, die Chemie untereinander, die Running-Gags.

Darum ist die WWDC jedes Jahr eine Art großes Klassentreffen, in das ich häppchenweise einen Einblick von außen bekomme. Ein lustiges kleines Universum, dessen Faszination sich Unbeteiligten nur schwer erklären lässt. Stellt sich die Frage, warum ich die Zeilen hier überhaupt schreibe? Hm.

Wie gewonnen, so zerronnen

Da ich seit 2011 ein Gewerbe angemeldet habe, genieße ich seitdem das ungemeine Privileg eine Steuererklärung anfertigen zu dürfen. Woop Woop! Anfang Juni habe ich den dazu passenden Steuerbescheid erhalten und tatsächlich Geld zurückbekommen. Enno 1, System 0.

Kurz darauf durfte ich einen Teil dieser unverhofft erhaltenen Finanzspritze dem Ordnungsamt überlassen. Die Schlingelinnen und Schlingel haben sich eine taktisch clevere Stelle rausgesucht, um auf dem Fußweg fahrende Radfahrer abzukassieren. Aus der Innenstadt kommend kann man am Burgplatz eine vielleicht 20 Meter lange Abkürzung nutzen, um nicht die ≈200 Meter außen rum fahren zu müssen.

Eine ganze Zeit lang habe ich bei Gesprächen dazu vor Aufregung Schaum vorm Mund bekommen. Hauptsächlich weil ich 2 Jahre zuvor fahrlässig von einem Auto von der Straße abgedrängt wurde und mir von der Polizei dann gesagt wurde “Ignoranz allein ist im Straßenverkehr nicht strafbar”. Für das Nutzen eines Weges, den wirklich alle nutzen – in der Zeit, wo ich abkassiert wurde, fuhren mindestens 3 weitere ungestraft an mir vorbei – wurde ich jetzt aber zur Kasse gebeten, ohne dass ich jemanden auch nur ansatzweise gefährdet hatte.

Mittlerweile habe ich aber eingesehen, dass das ein Millionen-Fliegen-fressen-Scheiße-Argument ist und es in der Tat bei ausreichend Unachtsamkeit auf beiden Seiten gefährlich werden kann. Ab sofort fahre ich brav außen rum. Enno 1, System 1.

When Did Punk Rock Become So Safe?

Unser Schlafzimmer ist zum Innenhof ausgerichtet. Gut, da man vorbeifahrende Autos und vorbeiziehendes Partyvolk nicht hört. Schlecht, wenn das Partyvolk im Innenhof feiert. So geschehen an 2 aufeinanderfolgenden Nächten. Ich bin da vergleichsweise entspannt und mache im Zweifel das Fenster zu. Andere Mitmieter scheinen weniger leicht zu besänftigen zu sein. Ein paar Tage später fand sich folgender Schatz auf dem Fensterbrett im Hausflur:

Schmäggnlassn
Schmäggnlassn

Ha-Enno

Auch in diesem Monat wusste meine hyperfunktionelle Dysphonie – so eine der schlau klingenden Beschreibungen meiner Stimmprobleme – mein Leben zu bestimmen. Ich durfte gleich 2 HNOs aufsuchen. Die erste Ärztin war nicht sonderlich hilfreich. Die Praxis war zwar super ausgestattet, geräumig, edel möbliert und hatte einen schicken, grünen Innenhof, aber die Ärztin wusste in meinem Fall nicht so recht weiter. Als ich ihr daraufhin ein paar Möglichkeiten suggerierte, hat sie sich auf eine davon eingeschossen, mich zu einem Neuroglogen überwiesen, der wiederum selbst nichts mit mir anzufangen wusste, und für sie war der Fall erledigt. Hmpf.

HNO-Praxis numero duo war das genaue Gegenteil. Klein, viel zu voll, ungemütlich. Bei der Ärztin hingegen habe ich mich sehr wohl gefühlt. Im Endeffekt konnte sie mir auch nicht weiterhelfen, aber machte einen kompetenteren Eindruck und hat tatsächlich versucht das große Ganze zu verstehen statt möglichst schnell irgendwas auf einen Überweisungsschein zu schreiben.

Sie riet mir zu weiteren Logopädiesitzungen. Fortsetzung folgt.

Home-Office-Montag und Arbeitszimmer-Urlaub

In meinem Beruf als Webentwickler arbeite ich am besten, wenn man mich in Ruhe lässt. Klassisch IT. Wenn ich dem folgend allerdings nur von zuhause aus arbeite, werde ich schnell einsam. Pattsituation. Um die Vorteile vom einen zu nutzen, ohne dass die Nachteile des anderen zu schwer wiegen, habe ich das Experiment gestartet montags von daheim zu arbeiten. Kann ich sehr empfehlen.

Der Montag ist dadurch weniger montagig. Zum einen weil man konzentriert ein paar Sachen wegarbeiten kann. Zum anderen weil sich das heimische Umfeld positiv auf das eigene Wohlbefinden auswirkt. So geht es mir zumindest.

Das Arbeitszimmer, der Ort des Geschehens, wurde davon unabhängig in einer Urlaubswoche sehr spontan einer Generalüberholung unterzogen. Schweren Herzens habe ich mich von meiner selbstgebauten Gesangskabine getrennt. Dafür fand eine neue Kommode ihren Weg in unsere 4 Wände, an denen jetzt auch Gitarren und Bilderrahmen voller Konzerttickets hängen.

Sollte ich dennoch in die Verlegenheit kommen Gesang aufnehmen zu wollen habe ich nun die Möglichkeit eine fragwürdige Eigenkonstruktion aus schweren Gardinenvorhängen, Mikroständern und Wäscheklammern aufzubauen. Nicht schick, aber erfüllt seinen Job.

Blick ins Innere der Enn
Blick ins Innere der Enn'schen Konstruktion, im Hintergrund zu sehen: El Kobra 🐍

Da das Arbeitszimmer-Makeover so ziemlich die gesamte Woche beanspruchte, konnte ich nichts von dem erledigen, was ich eigentlich für die Urlaubszeit geplant hatte. Diese Tatsache gepaart mit dem Gefühl, dass ich seit geraumer Zeit meinem Leben hinterher laufe, führten zu der Entscheidung, Anfang 2019 einen kompletten Monat frei zu machen. Was im Übrigen der Grund ist, warum ich momentan genug Zeit habe diese Zeilen hier zu schreiben.

Jimmy Eat World, Boysetsfire und das verlorene iPhone

Anfang Juni ging es in mein geliebtes Conne Island um den alten Herren von Jimmy Eat World zu lauschen. Ein richtiger Fan bin ich nicht, aber mir gefallen einige Songs und irgendwie handelte es sich um eine Institution, die da in meinen Lieblingsladen kommen sollte. Am Ende war ich – in typischer Enno-Manier – etwas enttäuscht.

Ticket, das hoffentlich bald seinen Weg zu den anderen an der Wand finden wird
Ticket, das hoffentlich bald seinen Weg zu den anderen an der Wand finden wird

Bei Konzerten stellte ich oft fest, dass der Mainact im Gegensatz zur Vorgruppe eine ungemeine Präsenz hat. Nicht, weil der Sound so viel besser ist, sondern weil das Selbstbewusstsein ein ganz anderes ist, weil man die Erfahrung anmerkt. Vom Künstler geht eine völlig andere, mitreißende Aura aus. Das habe ich mir auch bei Jimmy Eat World erhofft, vergebens. Dennoch sind die 2-3 alten Schinken, die ich hören wollte, erwartet bombastisch eingeschlagen und es war ein dufter Abend.

Ein paar Wochen danach ging es erneut ins Conne Island zu Boysetsfire und Silverstein. Der Abend war bittersüß, weil die Bands genauso gut wie immer waren, ich allerdings irgendwann gemerkt habe, dass mir mein Smartphone aus der Tasche gefallen war. Normalerweise wird selbiges sicher in einer Bauchtasche verstaut, aus gutem Grund. Von dem Zeitpunkt an war der Abend natürlich gelaufen.

Haben: Plektrum vom Silverstein-Gitarristen, Soll: aus der Tasche gefallenes iPhone
Haben: Plektrum vom Silverstein-Gitarristen, Soll: aus der Tasche gefallenes iPhone

Folgende Umstände kamen mir zugute: einerseits konnte ich endlich mal von meinem Apple-Fanboytum profitieren. Nach dem Konzert wieder zuhause angekommen konnte ich auf meinem iPad daheim dank Find-My-iPhone-Funktion sehen, dass sich der Gerät noch im Conne Island befand, d.h. nicht gestohlen wurde. Außerdem kannte ich über Bande eine Person, die an diesem Abend an der Bar arbeitete und von der ich letzten Endes auch mein iPhone noch am selben Abend entgegen genommen habe. Bis auf einen 0,5cm großen Kratzer am Display hat das gute Stück diesen Zwischenfall unbeschadet überstanden.

Dieser Vorfall gesellt sich zu der vergessenen Jacke, der geklauten Gitarre und dem verlorenen Schlüssel1 – alles innerhalb eines Jahres. Ich scheine da eine außergewöhnliche Superkraft zu entwickeln.

Und sonst so?

Ich habe mein gut 10 Jahre altes Audio Interface (eine externe Soundkarte, Recording-Kram halt) verkauft und bin dabei wieder der geballten Blödheit der Leute begegnet. Diesmal über Facebook statt den verhassten eBay Kleinanzeigen. Da hat mir jemand für 150€ ein Gerät abgekauft und gibt es mit der Begründung “hat keinen USB-Anschluss” zurück. Nicht nur, dass im Titel der Anzeige “Firewire Audio Interface” stand. Dieser Typ kauft sich etwas für 150€ und googlet nicht mal vorher, was genau er da eigentlich ersteht. Wie kommt so jemand durchs Leben?

Davon abgesehen haben wir nach einer Hochzeit ein paar Riesenballons abgestaubt, die während ihrer Lebenszeit bei uns und unseren Freunden für Erheiterung zu sorgen wussten. Und das nicht nur während der Heimfahrt auf dem Rad.

Luftballon Nummer 97, 98 und 99
Luftballon Nummer 97, 98 und 99

Außerdem wurde jede Menge gebadet. An einem Urlaubstag sogar morgens halb 10, ganz ohne Knoppers. Für eine Paddeltour über die Elster war es auch mal wieder Zeit. All das wurde natürlich fein säuberlich auf Instagram, meiner neuen Lieblingsalternative zu Twitter, dokumentiert. Da Instagram meine Registrierung nur unter starkem Widerstand in Form von unerklärlichen Fehlermeldungen zuließ, habe ich auf dem Weg dahin 3 Nutzernamen verbraten und bin jetzt bei enno.siebzehn gelandet.

Mehr Gegrille, Gebade und Seriengebinge gibt es in der Juli-Zusammenfassung.


  1. Erwähnte ich noch nicht, kommt noch ein eigener Beitrag zu, ist nämlich eine lustige Geschichte, in Wahrheit verliere ich nämlich nur Dinge um Blogmaterial zu haben, aber 🤫

18. Januar 2019