Schlagzeilen

Männer, die auf Dinge verzichten

tl;dr: Tumblr, iEnno, Und Sonst So?, Twitter, Wrestling. Who's next?

Dinge zu beenden scheint eine meiner unfreiwilligen Leidenschaften zu sein. An sich sehe ich mich selbst als jemanden, der eher Probleme mit dem Loslassen hat. Schaue ich aber auf die Entwicklung meiner Hobbies zurück, komme ich unweigerlich zu einem gegenteiligen Schluss: ich bin ein Quitter!

Hobbies kommen und gehen. Das ist normal, oder? Mir geht es um den harten Cut. Den konkreten Zeitpunkt, an dem man sich bewusst entscheidet “Nope, bis hierhin und nicht weiter!”

Tumblr

* 07.07.2011
† 26.12.2013
2416 Einträge

Ach ja, all die lustigen Fundstücke, die in uns im Laufe des Tages beim Scrollen durch das Weltweitnetz begegnen. Sobald man eines davon belächelt, möchte man, dass andere mitlächeln. Mir war Facebook und/oder Twitter dafür nicht genug. Ich entdeckte, dass es sowas wie Tumblr gab, meldete mich dort an und postete fleißig Bilder, wie z.B.:

Mein Letzter Post auf Tumblr

Später verlagerte sich mein Schaffen dort von “hier ist was ich im Netz fand” zu “hier ist, was ich bei anderen Tumblr-Blogs fand”. Dazu kam, dass ich auf dieser Plattform vielleicht ein Dutzend Zuschauer hatte. Das war ok, aber irgendwann dann das abendliche Gescrolle und Gekuratiere in der Tumblr-App nicht mehr wert.

Klassischer Fall von Entdecken, begeistert befeuern und schlussendlich an den Nagel hängen.

iEnno

* 01.03.2012
† 01.03.2014
200 Beiträge

Im Mai 2011 startete ich in Kooperation mit einem Daywalker einen Blog über lose zusammenhängende Themen aus der Welt der Technik, den wir ein knappes Jahr später in zwei spezifische Blogs trennten. Senäh für Programmierzeugs und iEnno für Apple-Zeugs. Senäh vegetiert seit einiger Zeit dahin, bei iEnno habe ich zum Jahreswechsel 2013/-14 die Entscheidung getroffen einen bewussten Schlussstrich zu ziehen. Über die Gründe schrieb ich bereits.

Damals waren Ribbons design-technisch echt angesagt

Rückblickend erachte ich das nach wie vor als gute Entscheidung. Zum einen bin ich tatsächlich stolz auf einige der Texte, die sich dort finden, auch wenn sie größtenteils an Aktualität verloren haben. Zum anderen waren durch das geplante Ende die letzten 2 Monate Bloginhalt die besten – quantitativ sowie qualitativ. Statt der sonst so oft zu beobachtenden Vernachlässigung und zunehmenden Versenkung in der Bedeutungslosigkeit hab ich das Projekt am Peak beendet. Und das war gut so.

Und Sonst So?

* 20.12.2014
† 15.04.2015
8 Episoden

Ab und an fand sich ein Anlass mich vor ein Mikrofon zu zerren und die darauf folgende Unterhaltung in Podcastform zu veröffentlichen. Bei einer Episode des Phasentheaters (RIP) zum Thema Markdown (sexy!) hab ich Jens kennen gelernt. In der Aftershow – wie wir coolen Podcast-People sagen – haben wir uns etwas über anderes unterhalten und festgestellt, dass wir gut funktionieren. Daraufhin entstand im Laufe der Zeit die Idee ein eigenes Podcastformat auf die Beine zu stellen.

Was anfangs als Politik-Podcast gedacht war, entwickelte sich zu einem Laber-Podcast, was okay gewesen wäre, wenn ich mich denn mit dem Ergebnis hätte zufrieden geben können. Meine Fähigkeiten am Mikro waren sonderbar. Die Gespräche “flowten” nicht so sehr, wie ich mir das gewünscht hab. Und auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis war ein großer Faktor, sodass das Projekt nach etwas hin und her von meiner Seite aus beendet wurde.

"Und Sonst So?" Artwork

Auch hier denke ich, dass es eine gute Entscheidung war. Vor allem der Zeit wegen. Ordentliches schneiden beim Podcast dauert ewig. Nach etwas Übung war ich bei einem Verhältnis 3:1 was Bearbeitungsdauer zu Episodenlänge angeht. Und davon unabhängig bin ich der Meinung, dass 2 Hosts unglaublich gut harmonieren, sich ergänzen, auf einer Wellenlänge sein müssen, damit so einem Format zuzuhören Spaß macht. An dem Punkt waren Jens und ich einfach (noch?) nicht. Es ist also durchaus sinnvoll gewesen, dieses Feld anderen zu überlassen, die das viel, viel besser können.

Twitter

* 31.07.2010
† 06.01.2017
> 39.000 Tweets

Meine Beziehung zu Twitter ist kompliziert. Fremder Leute geistige Ergüsse lesen, mit ihnen interagieren, bei großen Klassentreffen sehen, über dumme Witze lachen, selbige teilen, selbst welche machen, Kommentare zum Weltgeschehen erhalten – das alles fetzt. Allerdings fand ich mich irgendwann in einem Kreis aus immer gleichen Gesichtern mit ähnlichen Meinungen wieder und da wollte ich raus. Das wiederum hat notwendigerweise dazu geführt, dass ich mich zunehmend mit Leuten auseinander gesetzt habe, deren Auffassungen ich nicht in Gänze teilte. Das wurde – wer hätte das gedacht – anstrengend und führte u.a. zu sowas.

Der Todesstoß kam durch den US-Wahlkampf.1 Stetes Rumgeheule und Aufgerege, was es nie aus der eigenen Filterblase raus schafft und somit eh nichts verändern kann, ging mir auf die Eier. Nicht von Anfang an, sondern auf Dauer. Bis auf das Verbreiten pessimistischer Ohnmachtsgefühle wird genau gar nichts erreicht. Am Ende bleibt der irreführende Eindruck, dass alle erkannt hätten, dass ein Präsident Trump sein Land und vermutlich den ganzen Planeten in die falsche Richtung führen würde. Das Wahlergebnis trifft einen umso härter.

Wahlergebnis : Enno = Hulk : Loki

Auch nach der Wahl war Twitter ein kollektives Gejammere, weswegen ich das Tweetbot-Icon auf meinem iPhone zunehmend seltener mit einer Berührung würdigte.

Anfang Januar hab ich dann beschlossen das zweite Jahr in Folge eine einmonatige Auszeit zu nehmen. Im Gegensatz zum letzten Jahr vermisse ich Twitter allerdings nahezu überhaupt nicht. Deshalb kann ich mir momentan nicht vorstellen, jemals wieder aktiver Tweeteroni zu werden. Momentan fehlt mir zumindest nichts. Mittlerweile zieht es meinen Smartphone-Daumen auch nicht mehr Richtung Tweetbot-Icon, sollte mich ein plötzlicher Anflug von Langeweile ereilen.

Wrestling

* 24.01.2016
† 30.01.2017
> 160h

In der fünften und sechsten Klasse habe ich den Videorekorder2 Donnerstag Abend so eingestellt, dass die WCW-Sendung, die nachts im DSF3 lief, aufgezeichnet wurde. Freitag morgens wurde etwas früher aufgestanden, um sich noch vor der Schule anzusehen wie das Kommentatoren-Dream-Team um Lenz Retzer und Mike Ritter u.a. Scott Steiner als Anton aus Tirol ankündigte. Mein Wrestling-Enthusiasmus ließ nach, als wöchentliche Wrestling-Sendungen irgendwann nur noch auf Premiere4 liefen und im TV des Otto-Normal-Pöbels nicht mehr zu haben waren.

Schnitt. Februar 2016. Ich bin in der Magdeburger Getec Arena und erlebe meine erste Live-Wrestling-Show. Es hat sich irgendwie ergeben. Und damit ich nicht unvorbereitet irgendwelche Referenzen auf aktuelle Storylines verpasse, musste ich mich vorbereiten. Folgerichtig war ich Abonnent des WWE Networks – sowas wie Netflix für Wrestling.

Wrestling? Das ist doch alles Fake!

Ich bin mir des seltsamen Rufs dieser Quasi-Sportart bewusst und spüre schon beim Schreiben dieser Zeile die Augen der Lesenden auf mich einrollen. Aber glaubt mir, mit etwas Zeit kann ich jedem von euch verständlich machen, wo die Faszination für diese Form der Unterhaltung herkommt. Wie dem auch sei, im letzten Jahr bestand ein Großteil meines Bewegtbildkonsums aus Wrestling. Durchschnittlich 3-4h pro Woche. War mir eigentlich etwas zu viel, aber meist fühlte ich mich solide unterhalten.

Bei einer Großveranstaltung im Januar – dem Royal Rumble – enttäuschte mich das Finale jedoch so sehr, dass ich direkt am Tag darauf meinen Account beim WWE Network gekündigt und beschlossen habe, das fortan nicht mehr aktiv zu verfolgen. Ich habe mich 3 Monate lang auf dieses Finale gefreut und bekam einen gigantischen Mittelfinger. Kombiniert mit dem latent vorhandenen Gedanken, dass dafür eh Woche für Woche zu viel Zeit draufgeht, und meinem scheinbar vorhandenen Bedürfnis einen harten Cut der allmählichen Reduktion vorzuziehen, war der Entschluss des Kündigens schnell gefasst.

Und damit brachte der Januar 2017 schon 2 fette Quits hervor. Doch damit nicht genug.

Zombie-Bonus: Podcasts5

Not so funny Funfact: mein Hirn ist manchmal zu voll. Nicht weil ich so unglaublich viel weiß, sondern weil ich ständig den Drang verspüre es zu beschäftigen. Wer meinen Text zum iEnno-Ende las, dem wird diese Feststellung nicht neu sein. Eine zeitlang habe ich bewusst versucht, jede freie Minute mit irgendwas zu füllen, Hauptsache kein Leerlauf. Auf diesem Wege bin ich zu dem Podcast-Suchtie geworden, der ich bin.

Mit Beginn des neuen Jahres habe ich angefangen das zu reduzieren. Insofern ich auf dem Weg zur Arbeit oder beim Haushalten daheim nicht den unbedingten Drang verspüre Podcasts zu hören, lasse ich es sein. Das Ziel ist, meinem Hirn etwas Zeit zum Atmen zu geben. Und das klappt tatsächlich recht gut. Zumindest fühle ich mich besser und bilde mir auch ein, dass meine Gedächtnisleistung zunimmt. Auch etwas, mit dem ich seit dem iEnno-Ende kämpfe.

Die 8 verbleibenden, regelmäßig gehörten Podcasts

Im Gegensatz zu den anderen hier gelisteten Dingen sehe ich jedoch keinen Bedarf, meinen Podcast-Konsum in Gänze einzustellen. Einschnitte: ja. Lieb gewonnene Podcasts aufgeben: ja 😥 Aber schlussendlich steh ich zu sehr auf das Medium Podcast und die Shows, die ich noch höre. Ich sehe einfach keinen Bedarf mich komplett davon zu verabschieden.

Man muss ja nicht alles beenden.


  1. Trump hat also schon einen Teil meines Lebens ruiniert, bevor er überhaupt Präsident wurde.

  2. Die älteren unter euch werden sich erinnern.

  3. Die älteren unter euch werden sich erinnern.

  4. Die älteren unter euch werden sich erinnern.

  5. “Zombie”, weil nicht wirklich tot, aber auch nicht so lebendig wie früher.

15. März 2017