Schlagzeilen

Fuck yeah, Vorsätze (Pt. II)

Nach epischem Cliffhanger folgt nun die Fortsetzung von Teil 1 meiner Vorsatzsammlung für das Jahr 2016.

Das mit dem Non-Binging klappt sehr gut und ich habe vor, das so beizubehalten. Gefühlt freue ich mich mehr auf eine Episode, was ja auch das Ziel dieser Unternehmung war. Vielleicht kommt dazu, dass bei uns im Hause momentan mal wieder die Zeit für ausufernde Seriennachmittage oder -abende fehlt. Mal sehen, wo das hinführt.

9. Twitter-Diät

Im Zuge der Reduzierung meiner Snarkyness, meiner sinkenden Aktvität dort und aus reinem Interesse an den Konsequenzen habe ich mir eine 1-monatige Twitterpause auferlegt. Ich wollte wissen, ob ich es vermisse und wenn ja was bzw. wen. Dazu muss man wissen, dass Twitter mein Facebook, mein WhatsApp und mein $SozialesNetzwerkX zusammen ist. Ich hab ein Twitter-Shirt, ein Twitter-Buch und ein Twitter-Bild geschenkt bekommen. Ich mag Twitter eigentlich sehr gern, darum kann man meinen 30-Tage-Verzicht durchaus als etwas besonderes ansehen.

In letzter Zeit folgte ich vielen Leuten, mit deren Auffassung ich nicht 100%ig übereinstimme. Das war eine bewusste Entscheidung, einfach um meinen Horizont zu erweitern und andere Perspektiven zu bekommen. Weg von der eigenen Filterblase, hin zu mehr Diversität und Toleranz für die Ansichten Anderer. In seltenen Fällen gelang das auch. Viel öfter musste ich mich aber zurückhalten, die Leute aufgrund ihrer seltsamen Äußerungen nicht dumm zu machen. Dadurch hat Twitter am Ende weniger Spaß gemacht, so dass mir der Start dieses Experiments nicht schwer fiel.

Ein weiteres Ziel war außerdem die frei gewordene Zeit zu nutzen, um ein paar der zahlreichen E-Books durchzuackern, die seit Monaten bis Jahren in der Kindle-App um meine Aufmerksamkeit betteln. Aktueller Fortschritt: 0%. Dafür ist die Pocket-Liste leerer als sonst. Und ich bin aktiver bei Telegram. Es herrscht definitiv kein Mangel an Beschäftigungen mit diesem Wunderwerk names Smartphone. Was hat man eigentlich früher™ gemacht, wenn man auf Klo saß?1

Am 3. Februar ist der Monat komplett. Dann werde ich – vermutlich unter ausbleibendem Jubel – mein großes Comeback feiern und kurze Zeit danach sicherlich auch was in Auswertungsblogpostform dazu festhalten.

10. Bewusster erleben

Das klingt jetzt vermutlich unangenehm esoterisch, aber meine Auffassung von Glück hat sich etwas gewandelt. Durch meine Tendenz dazu, mich über vieles zu beschweren und immer etwas zu meckern zu haben2, bekommt man sicherlich schnell den Eindruck, dass ich ein unglücklicher Mensch bin. Das stimmt nicht. Ein richtig Glücklicher aber eben auch nicht. Ich hatte immer bestimmte Ziele, die ich erreichen wollte und die mich angetrieben haben. Aufgrund meiner Ungeduld haben die gleichen Ziele aber auch für innere Unzufriedenheit gesorgt.

Durch zu hoch gesetzte Ansprüche an andere und mich selbst hab ich mir viele Dinge, die mich eigentlich erfüllen, zunehmend madig gemacht. Musik, Blogs, Skaten, Podcasts, Badminton, Konzerte, ja mitunter auch Freundschaften. Mein Fehler dabei waren nicht mal zwingend die Ziele an sich, sondern mein Umgang mit dem Weg dahin. Wozu Musik machen, wenn ich das, was ich spielen möchte, eh nicht umsetzen kann. Wozu Bloggen, wenn ich meine gewünschte Artikelfrequenz eh nicht einhalten kann. Wozu Podcasten, wenn das Ergebnis eh nicht meiner Wunsch-Show entspricht. You get the idea.

Aus irgendeinem Grund war ich der Meinung, nur wirklich happy sein zu können, sobald es keine offenen “es wäre doch schön wenn”s mehr gibt. Stattdessen liegt der Schlüssel – so zumindest meine Auffassung Stand 01/2016 – darin, das Erlebte bewusst zu erleben. So mancher würde es mit “der Weg ist das Ziel” umschreiben. Merlin Mann3 hat mal gesagt:

Just because it’s not perfect today, doesn’t mean it can’t exist tomorrow.

Statt nur die Ecken und Kanten zu sehen, lieber den Moment genießen und darauf vertrauen, dass alles schon irgendwie wird. Oder eben ok damit sein, dass es das unter Umständen auch nicht tut.

Was ich (vermutlich) eigentlich sagen will, ist: Glücksmomente entstehen nicht nur durch das Erreichte oder die Umstände, sondern vor allem auch durch den Umgang damit. Ein Kater kann zufrieden schnurren, auch wenn sein Bein gebrochen ist. Und auch wenn ich derartiges nicht zum ersten Mal niederschreibe, habe ich das Gefühl, dass ich das erst jetzt auf einem Level begriffen habe, auf dem ich es tatsächlich auch leben kann.

Also, liebes 2016. Herzlich Willkommen und schön, dass du da bist.

Bonus: Vorsätze Director’s Cut

Ich versprach euch ja noch die Vorsätze, deren Existenz leider nicht von Dauern sein sollte.

Bonus 1: mindestens 1 Blogpost pro Monat

Das hat die letzten beiden Jahre schon nicht geklappt und ich sehe auch nicht, dass es dieses Jahr anders sein sollte. Ich schreibe, wenn mir danach ist. Und ja, das bedeutet leider auch, dass die Island-Beiträge sich noch eine ganze Weile ziehen können. Aber so ist es halt.

Bonus 2: Boss-Transformation für die Arme

Vermutlich seit der frühen Pubertät hab ich Bock auf etwas mehr sichtbarer Substanz an meinen Streichholzärmchen. Zwischenzeitlich auch mit ganz okayem Erfolg. Seitdem gibt es immer mal wieder Phasen wo ich motiviert bin, morgens meine Liegestütze durchzuziehen. Meist besitze ich aber einfach zu gute Ausreden um einzelne Trainings auszulassen, bis irgendwann “jetzt hast du schon so viele Male ausgelassen, jetzt kannst du es auch komplett sein lassen” als Ausrede #1 siegt.

Statt mich darüber zu ärgern, hab ich beschlossen es in diesem Jahr nicht erneut auf die Vorsatzliste zu packen. Und ganz ehrlich, diesen Natural Bodybuilding Scheiß macht doch heutzutage jeder, sooooo Mainstream gähn.

Bonus 3: Pünktlichkeit

Hach. Pünktlichkeit. Mein ewiger Endgegner. Schon in der Schule bin ich lieber jeden Morgen panisch zum Bus gelaufen4 und hab stattdessen morgens etwas mehr trödeln können. Auch der Zivildienst5 im Kindergarten hat mir keine Pünktlichkeit anerziehen können, das Studium schon gar nicht. Und mittlerweile finde ich mich in einem Job wieder, wo sich Kollegen über unpünktliche Praktikanten beschweren und auf mein verteidigendes “aber bei mir ist das doch ganz genauso” mit “ja, bei dir ist das ja normal” reagieren.

Eine Position, die ich mir erarbeitet habe, auf die ich nicht sonderlich stolz bin, an der ich aber dieses Jahr gar nicht erst versuche, etwas zu ändern. Mein Misserfolg in den letzten Jahren gibt mir Recht.

Fazit

Fassen wir noch mal zusammen. Ich will was für meine Gesundheit tun in Form von mehr trinken und mehr Sport machen. Außerdem will ich ein okayerer Zeitgenosse werden, alte Homies besuchen und endlich wieder Musik machen. Serien sollen nicht mehr gebinget werden und ich werde beobachten, wie sich Pomodoro und 1 Monat ohne Twitter auf mich auswirken. Vor allem möchte ich aber meine Ansprüche niedriger halten und alles bewusster erleben.

Ist nicht ganz wenig, aber alles machbar, denke ich.

Brb, Vorsätze erfüllen.


  1. Antwort der Lektorin: “Nicht so lange gebraucht.”

  2. Wohl eine meiner deutschesten Eigenschaften.

  3. Ich weiß, kennt niemand von euch. Akzeptiert ihn einfach als allwissende Autoritäh.

  4. Wirklich jeden Morgen (die Lektorin kann das bestätigen). Ich hab sogar mal ein Lied darüber geschrieben.

  5. Noch etwas, was ich den jüngeren Lesern wahrscheinlich näher erläutern muss. Zivildienst war eine staatlich gedeckelte Möglichkeit, qualifizierte, aber schlecht bezahlte Arbeitskräfte durch unerfahrene, noch schlechter bezahlte Halbstarke zu ersetzen. Nichtsdestotrotz weiß jeder Zivi noch heute, was er sich von seinem ersten Zivigehalt gekauft hat.

30. Januar 2016