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Fuck yeah, Vorsätze

tl;dr: Ich, am Ende des Jahres 2016: gesünder, harmoniebedachter und bewusster. Oder so.

Der kritische Leser wird sicherlich hinterfragen, ob das Auflisten von Vorsätzen für die kommenden 12 Monate, nachdem einer davon bereits quasi-vorbei ist, gänzlich durchdacht ist. Antwort: vermutlich nicht. Ich mach es dennoch. Booyakasha!

Auch wenn ich den Gedanken ursprünglich verworfen hatte, ließ mich der Jens’sche Artikel zum Thema unerwartet inspiriert zurück, weswegen ihr diese Zeilen hier nun doch lest. Dazu kommt, dass ich einfach mal wieder Lust hatte in die Tasten zu hauen – zumal ich jetzt Heldenstadt-Fame genieße1 – in der Hoffnung den ein oder anderen damit unterhalten zu können. Es folgen also eine Armada an Aspekten in meinem Leben, die ich im kommenden Jahr verbessert sehen möchte. Auf den Teil der Leserschaft mit erhöhtem Durchhaltevermögen wartet am Ende des Artikels außerdem Bonusmaterial in Form von Vorsätzen, die ich recht frühzeitig wieder verwarf.

Let’s get it on.

1. Snarkyness2 reduzieren

Wer mich kennt, weiß, dass ich zu Sticheleien, Zynismus und Klugscheißerei neige. Ersteres zur allgemeinen Unterhaltung, zweiteres ist meine Art mit dem Weltgeschehen klarzukommen und letzteres hat keinen wirklichen Grund. Mein Ziel ist nicht etwa, diese Einstellungen abzuschaffen, sondern mein Umfeld das nicht immer um jeden Preis spüren zu lassen.

Ich maße mir an aufgrund besagter Eigenschaften hin und wieder etwas lustiges zu sagen oder schreiben zu haben. Manchmal aber eben auch auf Kosten anderer. Selten beabsichtige ich damit böses, aber das versteht nicht jeder und das kann ich den Betroffenen auch nicht verübeln.

Ich werde mich in Zukunft einfach ab und an zurückhalten und überlegen, ob ich den Spruch jetzt wirklich bringen, auf den Tweet wirklich antworten oder die Nachricht wirklich abschicken muss. Bisher klappt das auch ganz gut und fühlt sich ok an. Wider erwarten implodiere ich noch nicht – trotz all der unterdrückten, nach Freiheit dürstenden, spontanen Reaktionen in mir. Smilie.

2. Mehr Besuche

Abschiede fallen mir sehr schwer. Ich bin da einfach nicht gut drin. Nie gewesen und werde es höchstwahrscheinlich auch nie sein. Deswegen fiel es mir schwer, meine Heimat und somit auch meinen Freundeskreis aus der Schule zu verlassen. Ebenso fällt es mir schwer zu sehen, wie Studienfreunde ihr eigenes Leben starten und dazu job- und/oder beziehungsbedingt wegziehen.

Um der Enttäuschung entgegen zu arbeiten, habe ich mir vorgenommen, dieses Jahr ein paar der Verzogenen zu besuchen. Seltsamerweise kam mir dieser Gedanke bisher viel zu selten. Eine Liste an Auserwählten und -innen besteht bereits, die Suche nach freien Wochenenden ist in vollem Gange.

Dass mit jedem Besuch auch wieder ein eigener Abschied einhergeht, liegt wohl in der Natur der Sache. Wie man in meinem (sehr) nahen Umfeld zu sagen pflegt:

Einen Tod musst du sterben.

3. Pro Under-Achievement™

Es gibt Menschen, die setzen Ziele nach dem Prinzip “aim for the stars and you might at least reach the moon”. Wer sich seine Ziele sehr hoch setzt, erreicht sie vielleicht nicht, kommt aber allein durch den Versuch sie zu erreichen weiter, als wenn er sich von Anfang an ein realistischeres Ziel gesetzt hätte. So zumindest das Prinzip.

Die gleichen Menschen nutzen ihre To-Do-Liste auch als nimmersatten Wunschzettel statt als Auflistung der Dinge, die sie mit realistischem Betrachtungswinkel erledigen können. Ich habe ersteren Ansatz viel zu lang praktiziert, nur um festzustellen, dass dabei die Enttäuschung ob der nicht erreichten Ziele mehr wiegt, als die Freude über das, was ich tatsächlich geleistet habe.

Stark durch den oben bereits genannten Artikel des zum Ritter geschlagenen, roten Gemüses inspiriert habe ich mich dazu entschlossen, einen anderen Weg zu fahren, den ich Pro Under-Achievement taufe. Man suche sich ein Ziel, überlege sich ein konkretes Maß, das unter Berücksichtigung der äußeren Umstände realistisch erscheint, und schraube besagtes Maß noch ein wenig weiter nach unten. Das ist das Ziel, das es zu erreichen gilt.

Der Gedanke dahinter: frühzeitiger Erfolg, daher mehr Durchhaltevermögen die veränderten Handlungsweisen zur Gewohnheit werden zu lassen, um dann die Messlatte Stück für Stück nach oben zu schieben – in under-achievigen Schritten versteht sich. Man könnte es auch als organisches Wachstum bezeichnen.

Ob das so funktioniert, wie ich mir das denke, werde ich sehen. An Vorsätzen, um es auszuprobieren, mangelt es mir nicht, wie ihr im Laufe des Artikels feststellen werdet.

4. Mehr trinken

Ich trinke zu wenig, viel trinken ist gesund. Can I make it anymore obvious?3

Was ist realistisch betrachtet drin? Morgens eine Schale Cornflakes, abends noch eine Tasse Tee und tagsüber im Job ca. 3 0,5-Liter Flaschen. Hier und da vielleicht noch ein Glas zwischendurch. Gemäß Pro Under-Achievement wird folgerichtig irgendwo unterhalb von 2l angefangen.

Ich startete mit 1,5l. Das schaff ich unter der Woche ganz gut. Am Wochenende fehlt mir das Denken in 2h-Blöcken, was auf Arbeit dient um den aktuellen Verbrauch einschätzen und ggf. nach oben korrigieren zu können. Davon abgesehen geht meine Taktik aber ganz gut auf und ich werde mein Ziel ab Februar auf besagte 2l erhöhen.

5. Stirb Schreibtischbauch! Stirb!

Wie sich herausstellt, macht es einen Unterschied ob man mehrmals täglich den Vorlesungsraum wechselt oder eben den ganzen Tag vor’m Schreibtisch hockt und den Code-Editor anstarrt. Also muss etwas mehr Bewegung her.

Die 10 Minuten Radweg zur Arbeit bringen’s nicht. Und auch die quasi-wöchentliche Runde Badminton ist nicht genug.4 In meine Wohnung hat sich ein Hometrainer verirrt, der vorerst 1x die Woche (#ProUnderAchievement) beackert werden soll. Da Hometrainern in seiner reinen Form tendenziell langweilig ist, lässt sich währenddessen die ein oder andere Podcast-Episode weghören oder vom Serienstreamer der Wahl Gebrauch machen. Positiver Nebeneffekt.

6. Musik. Wirklich.

In meinem Arbeitszimmer stauben 2 Gitarren, eine selbstgebaute Gesangskabine und entsprechendes Audio-Equipment ein. Kurzfristig wurde der ein oder andere Gerät benutzt, nach kurzer Zeit hatten dann wieder andere Dinge Priorität. Ein weiterer Aspekt, der Verbesserungspotential in sich birgt und sich dadurch für diese Vorsatzliste qualifiziert.

In meinem Kopf schwirren 17 Millionen Ideen, in Guitar Pro sind einige davon – grob geschätzt im mittleren zweitstelligen Bereich –festgehalten. Es fehlen Zeit, Muße und mittlerweile auch ein solides Stück Übung um die Ideen mal durch die vorhandenen Mikros zu jagen und daraus handfeste MP3s zu basteln (oder welches Format die coolen Kids von heute auch immer verwenden).

2 Projekte will ich in diesem Jahr umsetzen. Ob das irgendjemand außer mir je zu Ohren bekommt, wird sich zeigen.

7. Pomodoro für mich entdecken oder öffentlich verteufeln

25 Minuten konzentriertes Arbeiten, ohne Ablenkung oder Unterbrechung, anschließend 5 Minuten Pause. Das ist eine auf den Namen Pomodoro getaufte Technik, die der eigenen Produktivität zuträglich sein soll. Ich weiß schon lange um die Existenz dieses Vorgehens. Auch, dass einige Menschen, die ich sehr für ihren Output respektiere, positiv darüber sprechen. Ernsthaft ausprobiert habe ich es aber noch nie.

Bisher habe ich immer den Fehler gemacht anzunehmen, dass man von jetzt auf gleich Pomodoro-only arbeiten soll, also ausschließlich in solchen 25-5-Blöcken. Ein Artikel, den ich clevererweise nicht mehr finde, empfahl jedoch sich mit einem Block pro Tag dran zu gewöhnen und die Blockanzahl schrittweise hochzufahren. Quasi ganz im Stile von #ProUnderAchievement – ihr habt es doch nicht etwa schon vergessen?

Den beschriebenen Ansatz werde ich mal verfolgen. Am Ende will ich lediglich wissen, ob Pomodoro etwas für mich ist oder eben nicht. Stand Ende Januar 2016: momentan eher nicht.

8. Serien nicht mehr bingen

Alle Welt redet vom Bingen, also dem Nacheinanderschauen mehrerer Episoden einer Serie5, und mit Ausnahme der Tatsache, dass Netflix & Co massive Zeitfresser sind, eigentlich auch durchweg positiv, ja fast euphorisch. Zugegebenermaßen fand ich die Instant-Verfügbarkeit anfangs genauso grandios. Ich habe aber für mich festgestellt, dass die Inhalte mehr Wert hatten, als ich Serien nur mittwochs um 20:15 Uhr auf ProSieben sehen konnte. Hab ich den Termin mal verpasst, gab es nur folgende Optionen: Wecker stellen für die Wiederholung am Samstag morgen oder das Warten auf die DVD.6

Dadurch, dass die nächste Episode heutzutage nur einen Button-Klick 15 Sekunden warten entfernt ist, ist es selbstverständlich geworden, Cliffhanger nicht länger eine Woche unter apathischer Verzweiflung mit sich rumzuschleppen, sondern die Spannung ASAP aufzulösen.

Nur damit wir uns verstehen: ich verurteile niemandes Streaming-Konsumverhalten. Ich habe lediglich für mich beschlossen, das Experiment zu wagen lieber jeweils eine Episode von 5 Serien zu schauen, statt 5 Episoden einer Serie. Meine Hoffnung ist, dass die Halbwertszeit pro Episode etwas länger ist und der Impact stärker nachhallt.

Für die ersten Januarwochen kann ich diesbezüglich auch bereits ein Fazit ziehen:

Klick hier um Teil 2 meiner Vorsätze zu lesen.7


  1. Dass die Blogbeschreibung dabei dem kompletten Gegenteil von dem entspricht, was hier tatsächlich zu lesen ist, ignorieren wir mal freundlichst. Ganz im Sinne von Vorsatz 1.

  2. Ich weiß, dass es Snarkiness heißen müsste. Aber mit y sieht’s einfach besser aus. Und nunja, Attraktivität besiegt Rechtschreibung.

  3. Wer diese Referenz ohne Nachdenken und weitere Recherche verstanden hat, kann sich bei mir melden um eine themenverwandte DVD zu gewinnen. Not kidding.

  4. Ich brauch Gegner, keine Opfer!!!
    Zum Glück liest niemand meiner Spielpartner diesen Blog, geschweige denn diese Fußnote.
    ¯\_(ツ)_/¯

  5. Anmerkung der Lektorin: Grundsätzlich bezeichnet das Bingen generell das Betreiben im Übermaß, korrekter wäre also Binge-Watching.

  6. DVDs kennen die Älteren unter euch vielleicht noch. War damals™ sowas wie das Internet. Nur in rund. Mit Loch in der Mitte.

  7. Ich hätte gern auch etwas a la “Teil 2 der Vorsätze startet in 15 Sekunden automatisch” implementiert, aber meine Faulheit hofft inständig, dass der Gag auch so angemessen rüberkommt.

30. Januar 2016