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Wie man's macht, macht man's richtig

tl;dr: Schon klar, mittlerweile sollte das gemeinhin bekannt sein, aber: hin und wieder kann es nicht schaden, von der Verbissenheit alles richtig machen zu wollen abzusehen. Oft fügen sich die Dinge. Irgendwie.

In Vehlitz, dem Dorf, in dem ich groß geworden bin1, hatten wir einen Hund und eine Katze. Haben wir noch immer. Wenn meine Eltern aber über die Vehlitzschen Mauern hinaus in die weite Welt wollen, um eine Ladung wohlverdienten Urlaub zu genießen, gibt es niemanden, der auf die Tiere aufpassen kann.

Da ich aber ein guter Sohn sein möchte und außerdem dank Studium im – hoffentlich – letzten Semester die entsprechende Flexibilität besitze, übernehme ich dann kurzzeitig die Hoheit über Haus und Getier. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich mich auf diesem Weg für die unzähligen Spontantransporte ins Nachbardorf bedanken kann. Wie oft ich meine Eltern gebeten habe, mich des Skatens wegen bitte schnell rüber zu fahren und abends natürlich auch wieder abzuholen…

Fuffie oder Hartgeld? Eine Entscheidung, deren Ausmaß ich noch begreifen sollte.2

So geschah es, dass ich mal wieder ein paar Tage auf dem Dorf verbrachte. Und offensichtlich dreht sich auch hier die Welt weiter. War es bisher immer eine Herausforderung in dieser Gegend diesen Zaubertrank namens Mate zu finden, ist auch das mittlerweile kein Problem mehr. Also am Montag ab in den Edeka und 3 Flaschen Lebenselixier besorgt.

An der Kasse hatte ich dank älteren Mitbürgern vor mir viel Zeit mir Gedanken darüber zu machen, wie ich denn nun bezahlen soll. Ich wusste nicht genau, was die 3 Flaschen jetzt inklusive Pfand kosten würden, aber dafür jetzt den 50€ Schein auf den Tresen zu legen, erschien mir etwas zu dekadent. Außerdem würde sich die Kassiererin sicherlich freuen, wenn sie sich nicht mit der Rückgabe von Wechselgeld auseinandersetzen muss, sondern einfach das Geld fein säuberlich in ihre Kasse sortieren und mit dem nächsten Kunden fortfahren kann.

Mit Karte wollte ich auch nicht bezahlen. Das einzige, was bonziger ist, als kleine Beträge mit großen Scheinen zu bezahlen, ist kleine Beträge mit der VISA-Karte zu bezahlen. Also mal geschaut, was das Hartgeld-Reservoir so hergibt.

Mein Hartgeldfach ist ein epischer UX-Fail. Soll heißen: Geld rein ist schwierig, Geld raus eine Qual. In solchen Situationen versuche ich deswegen strategisch vorzugehen. Ziel ist möglichst vielseitige Beträge hinter’m Komma abzudecken, um nicht erneut Geld aus meinem Portemonnaie3 holen zu müssen.

Naja, Neurose hin oder her. Ich habe auf jeden Fall nicht mit dem Fuffie bezahlt, sondern passgenau Hartgeld überreicht. Die Kassiererin hat sich bedankt, und sich darüber gewundert, dass das Geld so warm ist. Ihr muss entgangen sein, dass ich eine gefühlte “Wetten Dass”-Sendung4 gewartet habe, ehe das ältere Ehepaar vor mir sowohl alle Waren zurück in den Einkaufswagen gelegt als auch den Bezahlvorgang abgeschlossen hat.5 Sei’s drum.

Überdurchschnittlich vergesslich

Zeitsprung. Als es darum ging, wieder zurück in die Leipziger Gefilden zu reisen, durfte mich meine Mama einmal mehr mit dem Auto ins Nachbardorf Richtung Bahnhof fahren. Ich – modernes Kind mit Veranlagung zur Smartphone-Sucht – ging also meinem Vorhaben nach, das Ticket für die Bahnfahrt via iPhone zu buchen. Als ich mit meinem Finger gerade ansetzte und den finalen “Buchen”-Knopf zu drücken, wurde ich angerufen.

Mein Vater wies mich darauf hin, dass ich mein MacBook inklusive Ladekabel vergessen habe. Instant Panik. Ist nicht nur Freizeit-, sondern in meinem Fall auch Arbeitsgerät. Also Mama befohlen einen U-Turn zu machen um das Schmuckstück noch zu holen. Wir waren zwar nicht allzu weit gekommen, dennoch war der Weg zurück lang genug, dass meine Mama nun das Gaspedal ein wenig mehr malträtierte.

Da nun fraglich war, ob wir den Zug noch rechtzeitig erreichen, habe ich nicht erneut zum Buchen eines Handytickets angesetzt. Zum Glück, dachte ich, hat mein Papa nicht 2 Sekunden später angerufen. Sonst hätte ich jetzt eine 15€ teure Fahrt bezahlt, die ich womöglich dank Unpünktlichkeit nicht hätte antreten können.

Deutsche Bahn unspontan

Glücklicherweise standen wir nun auch noch an den Schranken, dank Zug in Gegenrichtung und mehreren Güterzügen. Langsam wurde es wirklich knapp. Ich konnte mir allerdings nicht vorstellen, dass die Schranken 15 Minuten am Stück unten bleiben würden. Dafür würden die Schrankenwärter den wartenden Automob zu sehr fürchten.

Ich behielt Recht. Und nachdem wir die Schranken überquert hatten, machte ich mich endlich daran, mein Ticket via iPhone zu kaufen. Nach Klick auf vorhin bereits angesprochenen, finalen “Buchen”-Button dauerte es allerdings eine Weile. Mama und ich scherzten schon, dass die Bahnserver plötzlich abkacken würden. Die Idee fanden wir nur so lang lustig, bis sie sich scheinbar bewahrheitete. Irgendwas von Fehler und Verbindung abgebrochen stand da auf einmal auf meinem Smartphone.

Erneut Instant Panik. Noch 3 Minuten bis der Zug abfahren sollte. Ich hoffte auf einen temporären Zwischenfall und probierte mein Glück erneut. An den Bahnservern lag es nicht, denn die funktionierten anschließend wunderbar. Von selbigen kam nämlich nach Tippen auf den schon fast legendären finalen “Buchen”-Button die Mitteilung, dass man 3 Minuten vor Fahrtantritt keine Tickets mehr buchen könne.

Überschreitung der kritischen 3-Minuten-Marke

Seriously, Deutsche Bahn. Das habt ihr doch nur gemacht, weil ihr von meiner chronischen Unpünktlichkeit erfahren habt und mich trollen wolltet!

Hätte ich den Fuffie mal in den Club geschmissen

Oha. Dann also analog über den Automaten am Gleis. Als ich die Verbindungsdaten eintippte dämmerte es mir. Ich hatte kein Kleingeld mehr. Weil ich die 3 Mate-Flaschen nicht meinem 50-Euro-Schein bezahlen wollte, war dieser nun das einzige, was meine Geldbörse6 hergab. Und mit einem Fuffie eine 15€ teure Fahrt bezahlen macht der Fahrkartenautomat nicht mit.

Dummerweise konnte mir auch meine Mutter nicht aushelfen. Genau wie ich hatte sie nur einen 50er dabei. Seltsame Familie.

Als ich den Kopf dann Richtung Bahnhofspersonal hob sah ich den Zug einfahren. Dann also Ticket im Zug bezahlen und auf ein wenig Kulanz hoffen. Für die Anti-50er-Einstellung des Automaten kann ich ja nun nichts. Den Screenshot vom 3-Minuten-vorher-Rien-ne-va-plus hatte ich auch gemacht. Eigentlich hatte ich nichts zu befürchten. Aber aus Erfahrung wusste ich, dass einige Zugbegleiter der Deutschen Bahn diese 5 Minuten Macht gern auf eine unangenehme Art genießen.

Muss nur noch kurz die Mails checken

Ich hatte noch überlegt, ob ich selbst nach dem Zugbegleiter suchen sollte. Proaktiv sein, da stehen die drauf. Dann kann man dem Fahrgast nicht vorwerfen auf Schwarzfahren spekuliert zu haben. Allerdings hatte ich eine schwere Tasche bei mir und war sowieso ob der Geschehnisse etwas geschwitzt.

Stattdessen nahm ich Platz und bereitete mich mental auf den On-Board-Kauf vor. Das musste ich meiner Freundin erzählen.7 Nachdem ich ihr in etwa geschildert habe, was gerade passiert ist und wohl noch passieren würde, kam erstmal keine Antwort. Logisch, nicht jeder ist so ein Smartphone-Suchtie wie ich.

Also Wartezeit irgendwie überbrücken. Fast aus Gewohnheit habe ich meine Mail-App geöffnet und mir im Moment des Öffnens schon ausgemalt, wie sinnlos das eigentlich ist, da ich auf dieser Zugstrecke eh nur marginalen Empfang hab. Doch plötzlich poppte eine Mail der Deutschen Bahn ganz oben auf, Betreff Buchungsbestätigung. What?

Schnell geöffnet, mein heiß ersehntes Handyticket im Anhang erspäht und sofort den Download gestartet. Das stellte sich noch mal als ein spannendes Vorhaben heraus, denn wie bereits erwähnt ist die Zugstrecke nach Leipzig über viele Kleckerdörfer kein Netzgeschwindigkeitsparadies.

Am Ende ging aber doch alles gut. Das Ticket war gültig und nach alledem brachte mich auch das anfängliche Ablehnen meiner VISA-Karte als Identitätsbeweis nicht aus der Ruhe.

Was war da passiert?

Meine Vermutung: der Kauf des Tickets war erfolgreich, das Senden des Tickets an die App der Deutschen Bahn allerdings nicht. Das kann oder kann nicht mit dieser seltsamen 3-Minuten-Sperre zusammenhängen. Zum Glück gibt’s das E-Mail-Backup.

Abschließend noch eine kurze Was-wäre-wenn-Betrachtung:

In all diesen Fällen hätte ich letzten Endes 2 Tickets für die gleiche Fahrt gekauft. Auch wenn die initiale Fehlermeldung der DB-App der Anstoß für das alles war, glaube ich nicht, dass ich das DB-Personal auf meine Seite geschlagen hätte.

Eine alternative Betrachtung:

Lustig, wie die Dinge manchmal laufen, oder?


  1. Ich muss mir immer das Schmunzeln verkneifen, wenn ich als >1,90m-Mensch diese Redewendung auspacke. Ich, groß und so. Egal.

  2. Ich muss mir immer das Schmunzeln verkneifen, wenn ich dieses stilistisch Mittel – oder was auch immer der Fachbegriff dafür ist – benutze, weil es mich an Stranger Than Fiction erinnert. Eine der wenigen Filme, der mir mit solch sinnlosen Details im Gedächtnis geblieben ist.

  3. Ich muss mir immer das Schmunzeln verkneifen, wenn ich dieses Wort schreibe, weil… obwohl… eigentlich ist das gelogen. Ich hasse es, weil ich mir nie merken kann, wie sehr man es jetzt eindeutschen darf. Portmonee? Portmonäh? Oder mit e hinter dem t? Portemowhatthefuck?

  4. Man spuckt nicht auf am Boden liegende Sendeformate, aber ich konnte es mir nicht verkneifen. Entschuldigt bitte.

  5. Das erinnert mich daran wie beschissen rückständig das Prinzip des (analogen) Einkaufs ist. Ware in Wagen legen, Ware auf Fließband legen nur um dann wieder Ware in Wagen zu legen. Ich will NFC oder irgendeine magische Technik, damit ich mit meinen Einkaufstüten einfach durch eine Konstruktion laufe, die alle eingekauften Artikel auf einmal erfasst und gut. Wir haben 2014, verdammt.

  6. See what I did there?

  7. Betonung bitte wie bei Manchmal haben Frauen von den Ärzten vorstellen.

13. Oktober 2014